Was ist Ausgleichstraining
Ausgleichstraining ist in der Sportpraxis ein gezieltes Zusatztraining, mit dem die Folgen der wiederholten Trainingsbelastung ausgeglichen werden. Seine Aufgabe kann es sein, die erforderliche Beweglichkeit zu erhalten oder wiederherzustellen, zu wenig beanspruchte Muskelgruppen zu stärken, Stabilität und Koordination zu verbessern oder ein besseres Bewegungsmuster zu schulen.
Es handelt sich nicht um einen genau festgelegten Plan. Der Inhalt hängt vom Alter des Skifahrers, seinen Bewegungsfähigkeiten, der aktuellen Vorbereitungsphase, Müdigkeit, früheren Verletzungen und davon ab, was die Beobachtung des Trainers oder eine fachliche Untersuchung zeigt. Ausgleichstraining kann sich teilweise mit Konditions- und Präventionstraining überschneiden, darf aber nicht mit Rehabilitation nach einer Verletzung verwechselt werden.
Bedeutung für den Skifahrer
Der alpine Skisport stellt hohe Anforderungen an das Muskel-Skelett-System, die Rumpfkontrolle, die Stabilität der Achse der unteren Gliedmaßen und die Fähigkeit, große Kräfte zu erzeugen und abzudämpfen. Die FIS ordnet deshalb zu den Bestandteilen der schneefreien Vorbereitung Kraft und Kondition, Koordination, Beweglichkeit, motorische Fähigkeiten und Regeneration ein.
Je nach konkretem Bedarf können Ausgleichsübungen vor allem auf Folgendes ausgerichtet sein:
- Beweglichkeit von Sprunggelenken, Hüftgelenken und Brustwirbelsäule,
- Stabilität von Rumpf und Becken,
- Kontrolle von Knie und Achse der unteren Gliedmaßen beim Stehen, Kniebeugen, Landen oder Richtungswechsel,
- Kraft der Gesäßmuskeln, der äußeren Hüftrotatoren und der hinteren Oberschenkelmuskulatur,
- Gleichgewicht und vergleichbare Bewegungsqualität am rechten und linken Bein.
Diese Bereiche sind keine universelle Liste für jeden Skifahrer. Die FIS nennt etwa im ISPA-Programm für junge Rennläufer exzentrische Kraft der hinteren Oberschenkelmuskulatur, die Stabilität der Achse der unteren Gliedmaßen durch die Hüftmuskulatur und die Rumpfstabilität. Es handelt sich jedoch um ein konkretes Präventionsprogramm, nicht um eine allgemeine Anleitung für alle Kinder.
Ausgleich bei Kindern
Bei jüngeren Kindern soll das Training einfach, abwechslungsreich und bewegungsverständlich sein. Wichtiger als die Zahl der Wiederholungen oder der Schwierigkeitsgrad sind die richtige Körperhaltung, ruhiges Atmen und die Fähigkeit, die Bewegung ohne Kontrollverlust auszuführen. Sprungtests bei jungen Rennläufern im Alter von 7 bis 15 Jahren zeigten, dass sich die Leistung mit dem Alter verändert und dass neben dem erreichten Ergebnis auch die Qualität der Bewegungsausführung bewertet werden muss.

Der Trainer passt daher die Auswahl der Übungen dem motorischen Niveau und der Reifung des Kindes an. Eine Übung, die für einen Rennläufer der Kategorie U16 geeignet ist, muss nicht für einen Anfänger in der ersten Klasse der Grundschule passend sein. Ausgleich ist keine Strafe für einen Fehler auf der Piste und kein Ausdauerwettkampf. Bei Schmerzen, nach einer Verletzung oder bei einem deutlichen Unterschied zwischen den Seiten gehört die Entscheidung über das weitere Vorgehen in die Hände von Physiotherapeut oder Arzt.
Häufige Missverständnisse
Ausgleichstraining ist nicht nur Dehnen. Allein die Vergrößerung des Bewegungsumfangs muss weder eine unzureichende Stabilität noch Kraft oder Koordination lösen.
Es ist nicht dasselbe wie Aufwärmen. Das Aufwärmen bereitet den Körper auf die unmittelbar folgende Belastung vor; Ausgleichsübungen reagieren auf die längerfristigen Bedürfnisse des Skifahrers.
Es garantiert nicht, dass sich der Skifahrer nicht verletzt. Eine systematische Übersichtsarbeit zum Freizeitskilauf fand nicht genügend direkte Belege, um zu behaupten, dass allgemeine Bewegung allein Skiverletzungen vorbeugt. Andererseits zeigte eine Studie mit jugendlichen Rennläufern bei einem strukturierten Programm mit Fokus auf Rumpfstabilität, neuromuskulärer Kontrolle und ausgeglichener Arbeit beider Beine eine geringere Häufigkeit von Verletzungen des vorderen Kreuzbandes. Das Ergebnis spricht für gezielt zusammengestellte Prävention, nicht für irgendein „Zusatztraining“.
Blick des Trainers
Gute Ausgleichsübungen ergeben sich nicht aus einer Liste beliebter Übungen, sondern aus der Frage: Welche Belastung hat das Kind absolviert und welche motorische Fähigkeit muss es erhalten oder verbessern? Der Trainer achtet vor allem auf die Bewegungstechnik, die Ermüdung, den Unterschied zwischen den Seiten und die Fähigkeit des Kindes, die kontrollierte Achse von Rumpf, Hüfte, Knie und Fuß zu halten. Auswahl und Dosierung ändern sich im Laufe der Saison. Vielfältige tägliche Bewegung bleibt dabei die Grundlage für die gesunde Entwicklung von Kindern und Jugendlichen.
Quellen und Weiterlesens
- FIS – Injury & Return: Testing, Training and ISPA Programme
- FIS consensus statement on training and testing in competitive alpine and freestyle skiers and snowboarders
- Westin et al. – Prevention of Anterior Cruciate Ligament Injuries in Competitive Adolescent Alpine Skiers
- Spörri et al. – How to Prevent Injuries in Alpine Ski Racing
- Hébert-Losier, Holmberg – Exercise-based injury prevention recommendations for recreational alpine skiing and snowboarding
- Jump performance and movement quality in 7- to 15-year-old competitive alpine skiers
- World Health Organization – Guidelines on physical activity and sedentary behaviour