Mobilität ist die Fähigkeit, ein Gelenk oder einen Bewegungsabschnitt in den für eine konkrete Aufgabe nötigen Bewegungsumfang zu bringen und diesen aktiv zu kontrollieren. Sie umfasst also nicht nur den verfügbaren Bewegungsumfang, sondern auch Muskelkontrolle, Koordination und eine angemessene Stabilität. Beim Skifahren geht es nicht um extreme Positionen, sondern um zweckmäßige Bewegung ohne Schmerzen und ohne unerwünschte Ausweichbewegungen.

Mobilität ist nicht nur Flexibilität

Die Begriffe Mobilität und Flexibilität werden oft verwechselt. Flexibilität bezeichnet vor allem den verfügbaren Bewegungsumfang in einem Gelenk oder in einer Gelenkgruppe und hängt auch mit den Eigenschaften von Muskeln und Bindegewebe zusammen. Mobilität ist ein praxisnäherer, funktionaler Begriff: Er beschreibt, ob der Sportler den Bewegungsumfang bei der Kniebeuge, im Ausfallschritt, bei der Landung oder in der Skikurve herstellen und kontrollieren kann. Eine bloße passive Dehnung bedeutet daher noch keine gute Bewegungsfähigkeit.

Mobilität ist außerdem nicht das Gegenteil von Stabilität. Beide Fähigkeiten arbeiten zusammen. Ein Skifahrer braucht bewegliche Sprunggelenke und Hüften, aber auch die Fähigkeit, die Achse der unteren Extremität zu halten und den Rumpf zu kontrollieren. Großer Bewegungsumfang ohne ausreichende Kontrolle muss kein Vorteil sein.

Bedeutung beim Skifahren

Beim alpinen Skifahren wird die Bewegung über die gesamte Kette von den Füßen und Sprunggelenken über Knie und Hüften bis zum Rumpf übertragen. Funktionale Mobilität hilft dem Skifahrer:

  • eine ausbalancierte und angemessen niedrige Haltung einzunehmen,
  • die Körperposition an Gefälle und Unebenheiten anzupassen,
  • die unteren Extremitäten unter einem stabileren Rumpf zu bewegen,
  • eine Kniebeuge, einen Ausfallschritt, eine Seitwärtsverlagerung oder eine Landung ohne deutliche Ausweichbewegungen auszuführen,
  • sich Bewegungsreserve bei höherer Belastung zu bewahren.

Aus Sicht der Trainingspraxis sind vor allem die Mobilität der Sprunggelenke, Hüften und der Brustwirbelsäule wichtig. Eine Einschränkung an einer Stelle kann der Skifahrer durch übermäßiges Vorbeugen des Rumpfs, Anheben der Ferse bei Übungen, Abweichen des Knies oder Drehen des ganzen Körpers ausgleichen. Eine solche Kompensation muss jedoch nicht nur durch mangelnde Mobilität entstehen. Die Ursache kann auch geringere Kraft, Koordination, Balance, Ermüdung, technische Unsicherheit oder ungeeignet eingestellte Ausrüstung sein.

Mobilität bei Kindern und im Jugendalter

Der Bewegungsumfang verändert sich während des Wachstums. Die Forschung beschreibt Veränderungen vor allem in der Pubertät und im Wachstumsschub; bei manchen jungen Sportlern kann sich die Bewegungsqualität oder der verfügbare Bewegungsumfang vorübergehend verschlechtern. Deshalb ist es wichtiger, die Entwicklung des einzelnen Kindes zu beobachten, als ein einmaliges Ergebnis mit anderen zu vergleichen.

Mobilität – technische Illustration Ski Loko

Eine systematische Übersicht zum Training der Flexibilität zeigte, dass regelmäßiges statisches Dehnen den Bewegungsumfang bei Kindern und Jugendlichen erhöhen kann. Sie bestätigte jedoch nicht die einfache Behauptung, dass es ein enges Altersfenster gibt, außerhalb dessen sich Flexibilität nicht mehr wirksam entwickeln lässt. Mobilität kann daher fortlaufend trainiert werden, altersgerecht, passend zur körperlichen Entwicklung und zum sportlichen Niveau.

Bei jüngeren Kindern stehen vielfältige Bewegungsspiele, Klettern, Kniebeugen, Ausfallschritte, Fortbewegungen und Bewegungen in verschiedene Richtungen im Vordergrund. Während der Pubertät kann der Trainer individuelle Einschränkungen und Unterschiede zwischen den Seiten gezielter beobachten. Das offizielle System zur langfristigen Entwicklung alpiner Skifahrer von U.S. Ski & Snowboard ordnet Mobilität, Bewegungsumfang und Koordination bereits den frühen Entwicklungsphasen zu und weist auf die Notwendigkeit hin, diese Fähigkeiten während der Wachstumszeit zu erhalten.

Wie Mobilität entwickelt wird

In der Trainingspraxis wird Mobilität nicht nur durch Stretching entwickelt. Eine geeignete Vorbereitung kann verbinden:

  • dynamische Bewegungen in schrittweise vergrößertem Bewegungsumfang,
  • Körpergewichtsübungen, technisch sauber und kontrolliert ausgeführt,
  • Kraft über den gesamten nutzbaren Bewegungsumfang,
  • Gleichgewicht und Koordination,
  • Bewegungen, die den Anforderungen des Skifahrens ähneln,
  • individuell gewählte Dehnungen, wenn der Bewegungsumfang tatsächlich eingeschränkt ist.

Beispiele sind die kontrollierte Kniebeuge, der seitliche Ausfallschritt, die Bewegung des Knies über den Fuß, ohne die Ferse anzuheben, oder die Rotation des Brustkorbs in stabiler Position. Es handelt sich nicht um eine allgemeingültige Vorschrift. Auswahl, Umfang und Anspruch muss der Trainer an Alter, Erfahrung und aktuellen Zustand des Kindes anpassen. Die Bewegung soll weder erzwungen noch durch stechenden Schmerz ausgeführt werden.

Ein Test, zum Beispiel die tiefe Kniebeuge, bewertet nicht nur eine Eigenschaft. Er prüft gleichzeitig die Mobilität mehrerer Gelenke, die Stabilität, die Koordination und die Fähigkeit, die Aufgabe zu verstehen. Das Ergebnis kann daher nicht automatisch als „verkürzter Muskel“ bezeichnet werden, und daraus lässt sich auch nicht eigenständig eine Ausgleichsübung ableiten. Ein systematischer Überblick über die funktionelle Bewegung von Kindern weist zugleich auf alters- und entwicklungsspezifische Unterschiede bei den Testergebnissen hin.

Typische Fehler und Missverständnisse

  • Je größer der Bewegungsumfang, desto besser. Ein Skifahrer braucht vor allem einen nutzbaren und kontrollierten Bewegungsumfang, nicht extreme Beweglichkeit.
  • Jedes technische Problem lässt sich mit Dehnen lösen. Die Ursache kann in Kraft, Gleichgewicht, Koordination, Müdigkeit, Können oder Ausrüstung liegen.
  • Mobilität allein verhindert Verletzungen. Die Verletzungsprävention ist multifaktoriell. Ein erfolgreich bei jugendlichen alpinen Skifahrern eingesetztes Programm konzentrierte sich vor allem auf die neuromuskuläre Kontrolle, die Rumpfstabilität und die ausgeglichene Arbeit beider unterer Extremitäten, nicht nur auf die Vergrößerung des Bewegungsumfangs.
  • Ein einmaliger Test ist eine Diagnose. Das Ergebnis ist nur ein Teil des Bildes und muss zusammen mit der Bewegung an Land, dem Verhalten auf Skiern und der Entwicklung des Kindes beurteilt werden.
  • Das Kind muss in die Position gedrückt werden. Gewaltsame passive Positionen ohne Kontrolle und ohne Rücksicht auf Schmerzen sind kein angemessenes Ziel des Kindertrainings.

Der Blick des Trainers

Der Trainer beobachtet die Mobilität in der Bewegung, nicht isoliert. Ihn interessiert, ob der Skifahrer die nötige Position auf beiden Seiten beherrscht, dabei das Gleichgewicht hält und den Bewegungsumfang auch bei Geschwindigkeit oder Ermüdung nutzen kann. Bei plötzlicher Einschränkung, Schmerzen, Schwellung oder deutlicher Asymmetrie gehört die Beurteilung in die Hände einer medizinischen Fachkraft. Ziel des Trainings ist es nicht, jedes Kind nach einer einzigen Schablone „zu korrigieren“, sondern eine ausreichende Bewegungsbasis für das sichere Erlernen der Technik und die langfristige sportliche Entwicklung zu schaffen.

Quellen und weiterführende Lektüre

  1. Gibt es ein „Zeitfenster der Gelegenheit“ für die Entwicklung von Flexibilität im Jugendalter? Ein systematischer Review mit Meta-Analyse
  2. Die Beurteilung funktioneller Bewegung bei Kindern und Jugendlichen: Ein systematischer Review und Meta-Analyse
  3. Der Zusammenhang zwischen Bewegungsumfang und Verletzungen bei jugendlichen Tänzern und Sportlern: Ein systematischer Review
  4. Prävention von Verletzungen des vorderen Kreuzbandes bei wettkampforientierten jugendlichen Skifahrern
  5. Konsenspapier des Internationalen Olympischen Komitees zur sportlichen Entwicklung im Jugendalter
  6. U.S. Ski & Snowboard — Alpine Trainingssysteme
  7. Was wir über Dehnen bei gesunden Athleten nicht wissen: Ein Scoping Review mit Evidenzlückenkarte aus 300 Studien
  8. Sprungleistung und Bewegungsqualität bei wettkampforientierten alpinen Skifahrern im Alter von 7 bis 15 Jahren