Was ist Explosivität
Explosivität ist die Fähigkeit, in sehr kurzer Zeit eine große Kraft oder mechanische Leistung zu entwickeln. In der Sportpraxis wird oft auch der Begriff explosivkraft. verwendet. Sie hängt damit zusammen, wie schnell das neuromuskuläre System Muskeln aktivieren, Kraft erzeugen und in zweckmäßige Bewegung übertragen kann.
Explosivität ist nicht dasselbe wie Maximalkraft. Maximalkraft bezeichnet die größte Kraft, die ein Athlet unabhängig von der Zeit erzeugen kann. Bei einer explosiven Bewegung ist entscheidend, wie viel nutzbare Kraft in einem kurzen Zeitabschnitt entsteht. Ebenso darf sie nicht mit Fahrgeschwindigkeit oder mit Beweglichkeit verwechselt werden.
Ein verwandter Wert ist Kraftentwicklungsrate (rate of force development, RFD). Bei Absprüngen und wiederholten Sprüngen spielt auch reaktive Kraft, also die Fähigkeit, nach einer vorangegangenen bremsenden Muskeldehnung schnell wieder in den Absprung überzugehen, eine Rolle. Diese Fähigkeiten überschneiden sich, sind aber nicht ganz identisch.
Bedeutung beim Skifahren
Im alpinen Skilauf kann sich Explosivität beim Startabsprung, beim Skaten, beim schnellen Aufbau von Druck auf die Ski, beim Übergang zwischen den Schwüngen oder bei der sofortigen Reaktion auf Unebenheiten und Gleichgewichtsverlust zeigen. Das bedeutet jedoch nicht, dass sich der Läufer aus jedem Schwung abstoßen oder zwischen den Kanten springen soll. Wirksame Kraft muss richtig getimt, ausgerichtet und mit der Technik verbunden sein.
Rennski erfordert eine Kombination aus Kraft, Leistung, Koordination, Gleichgewicht, Beweglichkeit sowie aerober und anaerober Ausdauer. Wichtig ist auch die Fähigkeit, wiederholte isometrische und exzentrische Belastungen während der Schwünge zu verkraften. Explosivität kann daher nicht als einzige oder universell wichtigste Voraussetzung für Leistung gelten.
Die Bedeutung einzelner Kraftfähigkeiten kann je nach Disziplin unterschiedlich sein. Eine im Jahr 2026 veröffentlichte Studie fand bei den beobachteten Rennläufern einen Zusammenhang zwischen der Kraftentwicklungsrate und der Leistung im Slalom, während im Riesenslalom und in den schnellen Disziplinen die Fähigkeit, eine hohe Kraft länger aufrechtzuerhalten, der wichtigere Faktor war. Dies ist das Ergebnis einer einzelnen Studie, keine für jeden Skifahrer geltende Regel, zeigt aber gut, warum es nicht reicht, nur Sprünge und kurze Maximalanstrengungen zu trainieren.
Analysen der konditionellen Profile von Elite-Alpinski-Fahrern bestätigen zugleich, dass Leistung aus dem Zusammenspiel mehrerer Eigenschaften entsteht und sich nicht zuverlässig mit einem einzigen Explosivitätstest erklären lässt.

Explosivität bei Kindern
Beim jungen Skifahrer ist zunächst motorische Grundbildung: stabiler Stand, Kniebeuge, Ausfallschritt, Absprung, sichere Landung, Laufen, Richtungswechsel und eine angemessene Kontrolle des Rumpfs. Erst auf dieser Grundlage ist es sinnvoll, Geschwindigkeit, Widerstand oder die Schwierigkeit der Übung zu steigern. Die langfristige Entwicklung soll die biologische Reifung, bisherige Erfahrungen und das aktuelle Niveau des Kindes berücksichtigen, nicht nur sein Kalenderalter.
Geeignete Mittel können Bewegungsspiele, kurze Beschleunigungen, Sprünge über niedrige Hindernisse, Absprünge in verschiedene Richtungen, Würfe mit einem leichten Ball, Skaten, Staffeln oder einfache Kraftübungen sein, die mit dem Ziel ausgeführt werden, sich schnell zu bewegen. Beim Springen ist auch die Landung ebenso wichtig: Das Kind sollte die Belastung kontrolliert abfedern, den Rumpf stabil halten und die Stellung der unteren Gliedmaßen.
Eine systematische Übersicht der Forschung bei Kindern und Jugendlichen zeigte, dass sowohl Krafttraining als auch leistungsorientiertes Training Kraft, Schnelligkeit und Explosivleistung verbessern können, wobei das Ergebnis vom Trainingsinhalt und von der Ähnlichkeit zwischen der Übung und der getesteten Aufgabe abhängt. Eine kleine kontrollierte Studie mit Rennläufern im Alter von 9 bis 15 Jahren verzeichnete nach beiden verglichenen Bewegungsprogrammen eine Verbesserung von Kraft und Explosivität. Für sich allein bestimmt sie jedoch nicht die beste Trainingsmethode für alle Kinder.
Angemessene Plyometrie ist für Kinder nicht automatisch ungeeignet. Das Risiko steigt vor allem dann, wenn Intensität, Umfang oder Häufigkeit die Bereitschaft des Kindes übersteigen, die Aufsicht fehlt oder trotz verschlechterter Technik und Ermüdung weitergemacht wird. Anspruchsvolle Absprünge, hohe Hindernisse und große Serien wiederholter Sprünge gehören daher nicht zu den Mitteln für Anfänger.
Typische Fehler
- Explosivität mit dem höchstmöglichen oder weitesten Sprung zu verwechseln,
- eine große Anzahl an Wiederholungen ohne ausreichende Erholung, wodurch aus dem Leistungstraining ein Ermüdungstraining wird,
- anspruchsvolle Sprünge einzubauen, bevor das Kind eine stabile Landung beherrscht,
- das Kraftprogramm erwachsener Rennläufer zu kopieren,
- maximale Kraft, exzentrische Kontrolle, Koordination und Beweglichkeit zu ignorieren,
- Talent anhand eines einzigen Sprungtests zu bewerten,
- den Versuch, Explosivität auf den Schnee zu übertragen, indem man sich aus jeder Kurve mit Gewalt abstößt.
Blick des Trainers
Der Trainer achtet vor allem auf die Qualität und Zweckmäßigkeit der Bewegung. Bei einer explosiven Übung soll die Bewegung schnell, aber dennoch kontrolliert sein. Wenn die Geschwindigkeit nachlässt, die Körperhaltung auseinanderfällt oder die Landung schlechter wird, entwickelt die Serie in der Regel nicht mehr dieselbe Fähigkeit.
Die FIS empfiehlt in ihrem Konsens zu Training und Testung, die Entwicklung und Bewertung der konditionellen Fähigkeiten an Alter, Geschlecht, Leistungsniveau und Disziplin anzupassen. Bei Jugendlichen können Sprungleistung und Landungsqualität, Kraft der unteren Gliedmaßen und des Rumpfes, Gewandtheit, Gleichgewicht und auch Ausdauer Teil der Testung sein. Das Ergebnis eines einzelnen Tests ist vor allem bei der langfristigen Beobachtung desselben Skifahrers unter vergleichbaren Bedingungen aussagekräftig, nicht als eigenständige Vorhersage des Rennerfolgs.
Explosivität ist also ein wichtiges Werkzeug des Skifahrers, nicht ein Ziel an sich. Den größten Wert hat sie dann, wenn der Sportler sie im richtigen Moment, in der richtigen Richtung und im richtigen Umfang einsetzen kann, ohne Technik und Gleichgewicht zu verlieren.
Quellen und Weiteres zum Lesen
- International Ski and Snowboard Federation (FIS) consensus statement on training and testing in competitive alpine and freestyle skiers and snowboarders
- Lower-Limb Strength in Alpine Skiing: Are Maximal, Explosive or Endurance Capacities More Important for Performance?
- The Training of Olympic Alpine Ski Racers
- Effectiveness of Traditional Strength vs. Power Training on Muscle Strength, Power and Speed with Youth: A Systematic Review and Meta-Analysis
- NSCA Position Statement: Youth Resistance Training
- NSCA: Youth Training and Long-Term Athletic Development
- Improving strength and postural control in young skiers: whole-body vibration versus equivalent resistance training
- A Classification of Fitness Components in Elite Alpine Skiers: A Cluster Analysis