Was ist Fair Play
Fair Play ist eine Art sportlichen Handelns und Entscheidens, die auf Ehrlichkeit, Respekt, der gleichen Anwendung von Regeln und der Ablehnung eines ungerechtfertigten Vorteils beruht. Es betrifft den Athleten, den Trainer, den Elternteil, den Funktionär und auch den Organisator. Beim Skifahren gehört dazu auch ein Verhalten, das andere nicht gefährdet und ihre Würde respektiert.
Fair Play ist nicht nur eine vage Forderung, sich „anständig zu verhalten“. Die FIS ordnet es in einen breiteren Rahmen von Integrität, Ethik, Sicherheit und Athletenschutz ein. Ihre Bildungsrichtlinien verlangen Unparteilichkeit, respektvolle Beziehungen, konstruktives Feedback und die Priorisierung des Wohlergehens der Teilnehmenden vor dem Sieg oder dem Erreichen eines sportlichen Ziels.
Fair Play und Regeln
Regel legt genau fest, was in einer Disziplin erlaubt oder verboten ist und welches Vorgehen oder welche Konsequenz angewendet werden kann. Fair Play ist ein breiteres ethisches Prinzip: Es hilft, auch in einer Situation ehrlich zu entscheiden, die die Regeln nicht bis ins letzte Detail beschreiben.
Im Rennskilauf bedeutet Fair Play vor allem:
- mit eigener Leistung zu konkurrieren und die Regeln der Strecke, der Ausrüstung oder der Wettkampforganisation nicht zu umgehen,
- keine falschen Angaben zu machen und Schiedsrichter oder Organisatoren nicht absichtlich zu täuschen,
- nicht zu versuchen, einen Gegner zu schädigen, zu stören oder gefährlich einzuschränken,
- die Entscheidungen der Jury zu respektieren und sachlich zu kommunizieren,
- Verantwortung für das eigene Handeln zu übernehmen.
Fair Play bedeutet jedoch nicht, dass ein Rennläufer oder ein Team gegen eine Entscheidung keinen Einwand erheben darf. Wenn die jeweiligen Regeln einen Protest oder ein anderes Vorgehen erlauben, ist seine ruhige und wahrheitsgemäße Nutzung ein legitimer Teil des Wettbewerbs. Über das Ergebnis und die Sanktion entscheidet nicht der allgemeine Eindruck von „Sportlichkeit“, sondern die konkreten Wettkampf-, Disziplinar-, Ethik- oder Sicherheitsregeln. Die FIS führt deshalb eigene Vorschriften für Ethik, Verhalten auf der Piste und die Verhinderung von Wettkampfmanipulation.

Bedeutung für Kinder
Ein Kind lernt Fair Play nicht durch einen einzigen Merksatz. Es eignet es sich durch wiederholte Situationen an: Es wartet auf das Zeichen des Trainers, respektiert die Reihenfolge, gibt nach einem Sturz nicht automatisch anderen die Schuld, meldet eine Gefahr und kann einem Gegner gratulieren. Bei jüngeren Kindern soll die Erklärung kurz und konkret sein; ältere Rennläufer sollen auch die Verantwortung gegenüber dem Team, den Organisatoren und anderen Pistenbenutzern verstehen.
Trainingspraxis: Der Trainer kann nicht nur Zeit und Technik bewerten, sondern auch die Reaktion auf einen Fehler, eine Niederlage oder eine Entscheidung des Schiedsrichters. Angemessen ist es, ein Kind zu loben, das die Wahrheit sagt, nach einem Unfall hilft oder sich nach einem Konflikt entschuldigen kann. Fair Play darf nicht durch Lächerlichmachen, Einschüchterung oder unangemessene Trainingsbelastung erzwungen werden. Die FIS versteht ein sicheres sportliches Umfeld als Prävention von körperlicher und psychischer Gewalt und verlangt von Trainern klare professionelle Grenzen, Respekt und eine rechtzeitige Klärung von Sorgen.
Ein Elternteil fördert Fair Play, indem es Betrug nicht mit dem Ergebnis entschuldigt, Gegner oder Schiedsrichter nicht beleidigt und eine Niederlage nicht zu einem persönlichen Versagen des Kindes macht. Das Verhalten der Erwachsenen ist für junge Skifahrer oft überzeugender als eine verbale Ermahnung.
Typische Missverständnisse
- Fair Play bedeutet, den Gegner gewinnen zu lassen. Nein. Ziel ist es, die bestmögliche erlaubte Leistung zu bringen, nicht den Wettkampfgeist zu unterdrücken.
- Es betrifft nur den Rennläufer. Nein. Auch Trainer, Eltern, Organisatoren und Funktionäre tragen Verantwortung.
- Ein Sieg rechtfertigt die Art und Weise. Ein durch unehrliches oder gefährliches Verhalten erzieltes Ergebnis widerspricht dem Sinn eines Sportwettkampfs.
- Ein Kind muss jedem Erwachsenen bedingungslos gehorchen. Respekt vor Autorität bedeutet nicht, Demütigung, Druck oder unangemessenes Verhalten hinzunehmen. Eine Sorge kann dem Trainer, der Vereinsleitung oder dem zuständigen Schutzkontakt gemeldet werden. Die FIS hält ausdrücklich fest, dass für eine Meldung kein fertiger Beweis nötig ist und die Prüfung nicht vom Meldenden selbst vorgenommen werden soll.
Blick des Trainers
Ein guter Trainer setzt für alle die gleichen Erwartungen, erklärt den Unterschied zwischen einem Fehler und einem absichtlichen Betrug und kommuniziert selbst ohne Demütigungen. Bei einem Verstoß gegen Fair Play klärt er zunächst die Fakten, berücksichtigt das Alter und das Verständnis des Kindes und wählt ein angemessenes erzieherisches Vorgehen. Bei einem schwerwiegenden sicherheits-, ethik- oder schutzrelevanten Hinweis geht er jedoch nach den Regeln des Vereins und des Verbands vor; er verharmlost die Situation nicht und löst sie nicht nur durch eine informelle Ermahnung.
Quellen und weiterführende Lektüre
- FIS – Safeguarding
- FIS – Snow Safe Policy
- FIS – Education Guidelines, Version 1.0, Februar 2026
- FIS – General Regulations
- FIS – Statutes
- FIS – Advice for the development of NSA Safeguarding Snow Safe Policies
- FIS – Coach or Team Manager Safeguarding Checklist
- FIS – Ethik-Checkliste für Trainer oder Teamoffizielle