Definition

Reaktion auf einen Fehler ist die Art, wie ein Skifahrer auf den Unterschied zwischen dem beabsichtigten und dem tatsächlichen Bewegungsergebnis reagiert. Das kann eine sofortige Gleichgewichtskorrektur sein, eine Änderung der Linie, eine Anpassung der Geschwindigkeit, eine taktische Entscheidung oder das Verarbeiten des Fehlers vor dem nächsten Versuch. In diesem Eintrag geht es um einen Trainingsbegriff, nicht um die Bezeichnung einer konkreten Wettkampfregel.

Ein Fehler lässt sich nicht nur daran bestimmen, ob sich eine Bewegung anders als das technische Vorbild anfühlt. Entscheidend sind das Ziel der Aufgabe, die Bedingungen und das Niveau des Skifahrers. Dieselbe Bewegung kann in einem Kontext unzweckmäßig sein, in einem anderen aber eine funktionale Reaktion auf eine Unebenheit, eine Schneeveränderung oder eine gestörte Linie darstellen. Die Information über das Ergebnis beschreibt, was gelungen ist, während die Ausführungsinformation beschreibt, wie die Bewegung ausgeführt wurde.

Was nach einem Fehler folgt

Der Skifahrer erhält zuerst eigenes, inneres Feedback aus dem Sehen, dem Gleichgewicht, dem Druck unter den Skiern und der Bewegungswahrnehmung. Trainer, Video oder Zeitmessung können zusätzlich äußeres Feedback geben. Die Aufgabe des Trainers ist nicht, die eigene Wahrnehmung des Skifahrers zu ersetzen, sondern ihm zu helfen, Gefühl, beobachteten Verlauf und Ergebnis miteinander zu verbinden.

Eine zweckmäßige Reaktion auf einen Fehler:

  • erhält oder stellt Stabilität wieder her,
  • berücksichtigt die aktuelle Geschwindigkeit und den Raum,
  • löst den nächstliegenden Teil der Fahrt, statt gewaltsam in eine bereits verlorene Situation zurückzukehren,
  • ruft keinen größeren Folgefehler hervor,
  • gibt dem Skifahrer Informationen, die er beim nächsten Versuch nutzen kann.

In der Trainingspraxis ist oft ein Problem die übertriebene Korrektur. Nach einem späten Einleiten der Kurve kann der Skifahrer abrupt bremsen, sich zurücklehnen oder den Oberkörper gewaltsam verdrehen. Der ursprüngliche Fehler löst dann eine Kette weiterer Probleme aus. Eine bessere Reaktion kann sein, eine noch kontrollierbare Kurve zu Ende zu fahren, eine breitere Linie zu akzeptieren und den Rhythmus schrittweise wiederherzustellen.

Kinderkontext

Die Fähigkeit eines Kindes, einen Fehler zu erkennen und zu korrigieren, hängt von Alter, Erfahrung, motorischem Niveau, Aufmerksamkeit, der Schwierigkeit der Aufgabe und dem Umfeld ab. Deshalb kann man nicht allen Kindern die gleiche Anzahl an Anweisungen geben oder denselben Grad an eigenständiger Analyse erwarten. Die Forschung zur Rückmeldung beim motorischen Lernen von Kindern liefert zudem keine einfache universelle Regel zur idealen Häufigkeit oder Form von Anweisungen.

Einem jüngeren oder noch unerfahrenen Skifahrer hilft meist eine verständliche Aufgabe, eine Demonstration, eine Spur im Schnee oder ein bildhafter Vergleich. Ein älteres und erfahreneres Kind kann man mit Fragen führen: „Wo hast du den Rhythmus verloren?“, „Was haben die Ski gemacht?“ oder „Was möchtest du in der nächsten Fahrt ändern?“ Ein solcher Ansatz fördert die Fähigkeit, die eigene Fahrt zu beurteilen, statt auf eine fertige Korrektur vom Trainer zu warten.

Reaktion auf einen Fehler – technische Illustration Ski Loko

Anweisungen, die auf die Wirkung einer Bewegung zielen – zum Beispiel auf die Richtung der Ski, die Spur oder den Druck in den Schnee – können hilfreicher sein als eine detaillierte Liste der Positionen einzelner Körperteile. Die Forschung zu sportlichen Fertigkeiten findet oft einen Vorteil der äußeren Aufmerksamkeitslenkung, bei Kindern hängen die Ergebnisse jedoch von der Aufgabe, dem Niveau und der Art der Vermittlung ab. Daraus lässt sich keine Regel machen, dass eine innere Anweisung immer falsch ist.

Rennski

Im Rennen muss sich ein Fehler nicht durch einen Sturz zeigen. Es kann um einen späten Druck auf den Ski, einen Rhythmusverlust, eine ungünstige Linie oder eine zu starke Verlangsamung gehen. Der Wert der Reaktion zeigt sich in den folgenden Schwüngen. Der Rennläufer muss die entstandene Situation lösen und nicht um jeden Preis die ursprünglich geplante Spur kopieren.

Beim Slalom kann eine Verzögerung an einem Tor eine Anpassung der Anfahrt zum nächsten erfordern. Der Versuch, die ideale Linie sofort „aufzuholen“, kann zu weiterer Verzögerung führen. Der Trainer beobachtet deshalb nicht nur die Stelle des ersten Fehlers, sondern auch, wie lange seine Folgen anhalten und wann der Rennläufer Gleichgewicht, Ausrichtung und Rhythmus wiederfindet.

Blick des Trainers

Ein praktisches Vorgehen nach einem Fehler kann fünf Schritte haben:

1. Sicherheit: War die Weiterfahrt noch kontrolliert? 2. Beobachtung: Wo entstand die erste wesentliche Abweichung? 3. Selbsteinschätzung: Was hat der Skifahrer selbst gespürt und gesehen? 4. Priorität: Welche einzelne Änderung ist am wichtigsten? 5. Überprüfung: Hat der nächste Versuch das Ergebnis und die Selbstständigkeit des Skifahrers verbessert?

Feedback nach jedem Versuch ist nicht automatisch das Beste, aber auch eine bewusste Einschränkung des Feedbacks ist keine universelle Lösung. Studien mit Kindern zeigten unterschiedliche Ergebnisse je nach Alter, Aufgabe und Art der Anweisung. Der Trainer passt daher die Häufigkeit der Hilfe daran an, ob das Kind den Fehler noch nicht erkennen kann oder ihn bereits selbstständig beurteilen kann.

Ziel ist nicht das Fahren ohne eine einzige Abweichung. Ziel ist ein Skifahrer, der bei einem Fehler nicht in Panik gerät, angemessen aktiv bleibt, eine sichere Lösung wählt und die Erfahrung in der nächsten Fahrt nutzt. Der Fehler ist dann eine Information fürs Lernen und nicht automatisch ein Grund zur Kritik.

Quellen und weiterführende Lektüre

  1. Wie sollten Anweisungen und Rückmeldungen mit äußerem Aufmerksamkeitsfokus gestaltet werden, um das motorische Lernen bei Kindern zu verbessern? Ein systematischer Überblick
  2. Wann und wie sollten Athleten Feedback und Anweisungen erhalten?
  3. Das Erlernen von sportlichen Fertigkeiten durch Feedback mit äußerem Aufmerksamkeitsfokus verbessern
  4. Lernen von Bewegungsmustern und Parametern bei Kindern: Auswirkungen der Rückmeldefrequenz
  5. Häufiges Feedback mit äußerem Aufmerksamkeitsfokus fördert das motorische Lernen
  6. Aufmerksamkeitsfokus in Traineranweisungen für Techniktraining im Sport: ein kritisch geprüfter Überblick über Übersichtsarbeiten
  7. U.S. Ski & Snowboard – Alpine Ski Fundamentals, Level 100 Instructor Manual