Was ist Canting

Canting ist eine seitliche Anpassung der Position des Skischuhs zum Ski. Im genauen bootfittingbezogenen Sinn wird der Winkel verändert, in dem der untere Teil der Schale in die Bindung einsetzt. Ziel ist es, das System Schuh – Bindung – Ski an die individuelle Stellung der unteren Extremität anzupassen, damit der Skifahrer ausgeglichen stehen und beide Kanten ohne unnötige Ausgleichsbewegungen kontrollieren kann.

Canting verändert weder die Form der Beine noch behandelt es ein orthopädisches Problem. Es passt die Schnittstelle zwischen Skifahrer und Ski an.

Canting ist keine Einstellung des Schafts

Der Begriff wird oft ungenau verwendet. Exzentrische Schrauben im Bereich des Knöchels, die am Schuh meist mit dem Wort „canting“ bezeichnet werden, stellen in der Regel die seitliche Neigung des Schafts (cuff alignment) ein. Der Schaft wird damit an die Richtung des Unterschenkels angepasst, während der untere Teil der Schale und die Sohle zur Bindung unverändert bleiben.

Beim eigentlichen Sohlen-Canting (sole canting) wird der Winkel des gesamten Schuhs zum Ski verändert. Ein professioneller Techniker kann mit Diagnoseplatten arbeiten oder die Trittflächen der Schale fachgerecht bearbeiten. Nach dem Eingriff muss er die vorgeschriebene Geometrie von Spitze und Ferse des Schuhs wiederherstellen und seine korrekte Lage sowie Funktion in der Bindung überprüfen.

Praktische Bedeutung

Eine ungünstige seitliche Stellung kann dazu beitragen, dass der Skifahrer:

  • einen oder beide Ski in der Grundposition ungewollt auf der Kante hat,
  • eine Seite des Fußes leichter belastet,
  • auf einer Seite den Ski schwerer auf die Kante stellt oder entlastet,
  • trotz ähnlicher Bewegungsabsicht unterschiedliche Schwünge erzeugt,
  • die Stellung mit Knie, Becken oder Oberkörper ausgleicht.

Diese Anzeichen belegen für sich allein jedoch keinen Bedarf an Canting. Eine ähnliche Asymmetrie können Technik, eine ungeeignete Schuhgröße, Bewegung des Fußes in der Schale, ein falsch eingestellter Schaft, unterschiedliche Beweglichkeit der Sprunggelenke, ein Unterschied in der Beinlänge oder Ermüdung verursachen.

Trainingspraxis: Zuerst werden Größe und Form des Schuhs, die Stabilität des Fußes, die Position des Schafts und die grundlegenden technischen Gewohnheiten kontrolliert. Erst danach ist es sinnvoll, einen Eingriff in die Sohle zu beurteilen. Eine statische Messung in der Werkstatt sollte durch die Beobachtung beim Fahren ergänzt werden, weil eine Haltung ohne Bewegung nicht zeigen muss, wie der Skifahrer unter Belastung arbeitet und den Ski auf die Kante stellt.

Canting – technische Illustration Ski Loko

Canting bei Kindern

Bei Kindern ist Canting keine übliche vorbeugende Anpassung. Körperproportionen, Kraft, Koordination und Bewegungsgewohnheiten verändern sich während des Wachstums. Eine auffällige Bein- oder Knieposition im Stand kann daher nicht automatisch als Materialfehler gewertet werden.

Eine Beurteilung ist vor allem dann sinnvoll, wenn eine Asymmetrie über längere Zeit immer wieder auftritt und der Trainer sie in verschiedenen Übungen und Bedingungen auch nach der Kontrolle der passenden Schuhe beobachtet. Die Anpassung muss dem Alter, dem Skilevel und der aktuellen Ausrüstung entsprechen. Nach dem Wachstum des Fußes, einem Schuhwechsel oder einer deutlichen Technikänderung sollte die Einstellung erneut geprüft werden.

Weder Eltern noch Trainer sollten lose Keile ohne fachkundige Kontrolle unter den Schuh oder die Bindung legen. Ein solcher Eingriff kann den Sitz des Schuhs, die Auslösefunktion der Bindung und bei Rennmaterial auch die in den Regeln überwachten Maße verändern.

Rennkontext und Sicht des Trainers

Im Rennski kann eine präzise seitliche Einstellung dem Athleten helfen, auf beiden Seiten einen vergleichbaren Kantkontakt aufzubauen und Bewegungen zu reduzieren, mit denen ein ungünstiger Stand der Ausrüstung ausgeglichen wird. Sie ersetzt jedoch nicht Gleichgewicht, Koordination oder die Technik der Kurvenführung.

Der Trainer sollte nach einem wiederkehrenden Muster suchen und nicht einen einzelnen Schwung oder ein Foto der Haltung bewerten. Es ist hilfreich, rechte und linke Schwünge, das Fahren auf nur einem Ski, das Gleiten auf der Fläche und die Fähigkeit zum flüssigen Entlasten der Kanten zu vergleichen. Die endgültige Entscheidung über eine Anpassung trifft der Fachmann, der Fuß, Unterschenkel, den gesamten Stand und die Kompatibilität von Schuh und Bindung beurteilt.

Sicherheitsregel: Das Schleifen oder Fräsen der Sohle, das Hinzufügen fester Canting-Elemente und Eingriffe, die die Schnittstelle zwischen Schuh und Bindung beeinflussen, dürfen nur von einem qualifizierten Techniker gemäß der Konstruktion des jeweiligen Schuhs, den Vorgaben des Herstellers und den geltenden technischen oder Wettkampfregeln vorgenommen werden.

Quellen und weiterführende Lektüre

  1. Atomic Boothub – Cuff alignment a Sole canting
  2. Atomic Alpine Race Catalogue 2024/25 – professionelle Werkzeuge zur Beurteilung und Anpassung des Cantings
  3. U.S. Ski & Snowboard – Level 100 Alpine Manual
  4. PSIA-AASI – Adaptive Snowsports Instruction Manual
  5. PSIA-AASI – Gespräch mit dem Bootfitting-Experten Matt Schiller
  6. Rossignol – technische Daten eines Skischuhs mit verstellbarem Canting
  7. U.S. Ski & Snowboard – Alpine Equipment Regulations
  8. PSIA-AASI – die Bedeutung einer professionellen seitlichen Schuhanpassung