Was ist der Auslösewert der Bindung

Auslösewert der Bindung ist eine gebräuchliche, aber technisch vereinfachte Bezeichnung für die Belastung, bei der die Bindung den Skischuh freigibt. Normen arbeiten vor allem mit dem Auslösedrehmoment: Bei einer üblichen Alpinbindung wird vor allem die seitliche Auslösung an der Spitze und die Auslösung der Ferse nach oben beurteilt. Das Drehmoment hängt sowohl von der wirkenden Kraft als auch vom Abstand ab, in dem die Kraft wirkt, daher lässt sich die Einstellung der Bindung nicht mit einer einzigen einfachen Kraft in Newton beschreiben. ISO 8061 legt das Verfahren zur Auswahl empfohlener Auslösedrehmomente fest und ISO 9462:2023 die Anforderungen und Prüfverfahren für Alpinbindungen für Kinder, Junioren und Erwachsene.

Ziel der einstellbaren Auslösung ist ein Kompromiss: Die Bindung soll den Schuh bei den beim Fahren entstehenden Belastungen zuverlässig halten, ihn aber bei Erreichen der festgelegten Auslösebelastung freigeben. Auch eine richtig eingestellte Bindung kann jedoch weder das Auslösen bei jedem Sturz garantieren noch Verletzungen ausschließen. Richtung, Geschwindigkeit und Verlauf der Belastung unterscheiden sich bei Stürzen deutlich.

Was bedeutet die Zahl auf der Skala

Die an Spitze und Ferse der Bindung sichtbare Zahl wird üblicherweise DIN-Wert oder Auslöseeinstellung genannt. Es ist keine Angabe in Krafteinheiten und auch kein direkt gemessener Wert des Auslösedrehmoments. Es ist ein Einstellwert des Mechanismus, nach dem die Bindung vor dem Funktionstest eingestellt wird. Technische Serviceanleitungen der Hersteller unterscheiden zwischen dem sichtbaren Skalenwert und dem tatsächlich mit einem Prüfgerät gemessenen Auslösedrehmoment.

Die Grundeinstellung wird nach einem standardisierten Verfahren aus mehreren Angaben ermittelt, vor allem aus:

  • Körpergewicht und Körpergröße des Skifahrers,
  • Alterskategorie,
  • Einstufung des Skifahrertyps nach dem verwendeten Serviceverfahren,
  • der Sohlenlänge des Skischuhs, nicht nur von seiner Mondopoint-Größe,
  • den Eigenschaften und dem Einstellbereich der konkreten Bindung.

Das Gewicht allein reicht also nicht aus. Zwei gleich schwere Skifahrer können zum Beispiel wegen unterschiedlicher Körpergröße, Alters, Fahrweise oder Sohlenlänge des Schuhs unterschiedliche empfohlene Werte haben. Die Bezeichnung des Skifahrertyps ist außerdem kein Zeichen technischer Qualität oder von Mut; im Serviceverfahren beschreibt sie den Fahrstil und das gewählte Verhältnis zwischen der Fähigkeit der Bindung, den Schuh zu halten, und der Fähigkeit, auszulösen.

Die Einstellung ist nicht nur das Drehen einer Schraube

Regel der sicheren Servicepraxis: die Einstellung soll als Ganzes an der konkreten Einheit vorgenommen und überprüft werden Ski – Bindung – Schuh. Der Techniker muss die Kompatibilität des Skischuhs mit der Bindung, die richtige Position und den Fersendruck, den Zustand der Gleit- und Kontaktflächen und anschließend die Funktion der Bindung überprüfen. Das Prüfgerät misst die Auslösewerte; stimmt das Ergebnis nicht mit dem vorgeschriebenen Bereich überein, sucht der Techniker nach der Ursache und passt gemäß dem Serviceverfahren die Einstellung an oder nimmt die Ausrüstung außer Betrieb. Produktprüfungen von Bindungen verwenden auch standardisierte Prüfsohlen nach ISO 9838.

Auslösewert der Bindung – technische Illustration Ski Loko

Das tatsächliche Auslösen kann durch eine abgenutzte oder nicht kompatible Schuhsohle, eine falsch eingestellte Ferse, Schmutz, Eis oder einen Defekt des Mechanismus beeinflusst werden. Deshalb ist es nicht sicher, die Zahl von einer alten Bindung auf eine neue zu übertragen, die Einstellung eines Geschwisters zu kopieren oder sie nur mit einem Internetrechner zu bestimmen. Der Vor- bzw. Fersendruck ist zugleich nicht der Auslösewert, und die entsprechenden Einstellelemente dürfen nicht verwechselt werden.

Kinder und junge Rennläufer

Bei einem Kind muss man mit aktuellen Daten arbeiten. Wachstum, Gewichtszunahme, neue Schuhe oder eine Änderung der Sohlenlänge können eine neue Einstellung und Prüfung erforderlich machen. Die Bindung muss einen geeigneten Bereich für das jeweilige Kind haben; eine Erwachsenen- oder Rennbindung ist nicht allein deshalb geeignet, weil sich die gewünschte Zahl am unteren Rand der Skala einstellen lässt.

Der Rennlauf bringt höhere Geschwindigkeiten und dynamische Belastungen mit sich, aber die Bezeichnung „Rennläufer“ bedeutet nicht automatisch die maximale oder beliebig erhöhte Einstellung. Eine zu niedrige Einstellung kann unbeabsichtigtes Auslösen begünstigen, während eine zu hohe die Fähigkeit der Bindung verringert, den Schuh unter Belastung freizugeben. Die Entscheidung gehört deshalb in die Hände eines qualifizierten Technikers auf Grundlage eines standardisierten Verfahrens, einer Funktionsprüfung, der Angaben zum Skifahrer und der Herstelleranweisungen.

Typische Irrtümer

  • „DIN ist die Kraft.“ Nein. Es handelt sich um einen Einstellwert; geprüft wird das Auslösemoment.
  • „Das Gewicht reicht aus.“ Nein, es gehen mehrere Angaben ein, einschließlich der Sohlenlänge des Skischuhs.
  • „Die Bindung muss bei jedem Sturz auslösen.“ Muss sie nicht. Nicht jeder Sturz erzeugt die entsprechende Richtung und Größe der Belastung.
  • „Wenn die Bindung unbeabsichtigt ausgelöst hat, muss man die Zahl erhöhen.“ Zuerst muss man die Ursache, die Kompatibilität, die Einstellung und den technischen Zustand prüfen.
  • „Die gleiche Zahl bedeutet bei jeder Bindung die gleiche Funktion.“ Die Funktion der konkreten Einheit bestätigt erst die Messung.

Blick des Trainers

Der Trainer bestimmt den Auslösewert nicht nach Gefühl auf der Piste. In der Trainingspraxis achtet er vor allem auf wiederholte unbeabsichtigte Auslösungen, Probleme beim Einsteigen in den Schuh, Schnee oder Eis unter der Sohle und auf Änderungen der Ausrüstung des Kindes. Bei Verdacht auf eine fehlerhafte Funktion unterbricht der Skifahrer das Training und gibt die Bindung an den Service; die Einstellschrauben verändert er nicht als schnelle Reparatur zwischen den Fahrten.

Die genannten Grundsätze beziehen sich auf Abfahrtsbindungen. Skitouren- und Tourenbindungen haben besondere Konstruktionen und es gilt für sie die separate Norm ISO 13992; Verfahren können daher nicht automatisch zwischen verschiedenen Bindungskategorien übertragen werden.

Quellen und weiterführende Lektüre

  1. ISO 9462:2023 – Alpine Skibindungen — Anforderungen und Prüfverfahren
  2. ISO 8061:2019 – Alpine Skibindungen — Auswahl der Auslöse-Drehmomentwerte
  3. ISO 9838:2023 – Alpine und Touren-Skibindungen — Prüfsohlen für Skibindungstests
  4. ISO 13992:2014 – Alpine Touren-Skibindungen — Anforderungen und Prüfverfahren
  5. ISO/TC 83/SC 4 – Ausrüstung für Schneesport, Normenkatalog
  6. Salomon Alpine Binding Technical Manual – Auswahl und Einstellung des Auslösewerts der Bindung
  7. Salomon, Atomic and Armada Shop Practice Manual 2020/2021