Was ist Trockentraining

Trockentraining ist die gängige Bezeichnung für das Training eines Skifahrers abseits des Schnees. Im weiteren Sinn umfasst es alle Bewegungsaktivitäten, mit denen die Voraussetzungen für das Skifahren aufgebaut werden: grundlegende Bewegungsfertigkeiten, Koordination, Gleichgewicht, Kraft, Schnelligkeit, Ausdauer, Beweglichkeit sowie die Fähigkeit, sicher zu bremsen, zu landen und die Richtung zu ändern.

Es geht nicht um eine Wettkampfregel und auch nicht um eine genau festgelegte Übungsreihe. Die Inhalte ändern sich je nach Alter, motorischem Niveau, biologischer Reife, Gesundheitszustand, Saisonphase und den Zielen der Gruppe. Das Training eines Vorschulkindes darf daher keine verkleinerte Version des Programms eines Jugendlichen sein.

Was gehört zum Trockentraining

Bei jüngeren Kindern steht an erster Stelle vielseitige Bewegung: Laufen, Klettern, Rollen, Werfen, Fangen, Springen, einfache Gymnastik, Hindernisparcours, Bewegungsspiele und weitere Sportarten. Swiss-Ski nennt unter geeigneten ergänzenden Aktivitäten zum Beispiel Leichtathletik, Gymnastik, Inline-Skaten, Fahrrad und Pumptrack, Skateboard, Parkour oder Langlauf. Ihr Wert liegt nicht in der genauen Nachahmung des Skischwungs, sondern in der Erweiterung der Bewegungserfahrung.

Mit wachsendem Niveau kommen nach und nach gezieltere Inhalte dazu:

  • Rumpfstabilität und Kontrolle der Beinachse,
  • Lauftechnik, Absprung, Sprung und Landung,
  • Reaktionsschnelligkeit und Richtungswechsel,
  • allgemeine und später spezifischere Kraft,
  • aerobe und anaerobe Ausdauer,
  • angemessene Beweglichkeit,
  • Koordination unter Zeit- oder Raumdruck.

Krafttraining für Kinder bedeutet nicht, schwere Gewichte zu heben. Es beginnt mit dem Beherrschen des eigenen Körpers, mit richtigen Positionen, Kniebeugen, Ausfallschritten, Stützpositionen, Zugübungen, Absprüngen und Landungen. Anspruchsvollere Übungen mit externer Belastung gehören in ein fachlich angeleitetes Training, in dem Technik und eine angemessene Steigerung wichtiger sind als das Ergebnis in Kilogramm.

Bedeutung für Skifahren und Rennen

Gutes Trockentraining hilft dem Skifahrer, auch bei Ermüdung eine saubere Bewegung zu halten, schnell auf Geländewechsel zu reagieren und wiederholte Trainings- oder Rennläufe zu bewältigen. Im Rennskilauf schafft es die körperliche Grundlage, auf der Technik, Taktik und die Verträglichkeit höherer Belastungen entwickelt werden können.

Trockentraining – technische Illustration Ski Loko

Training abseits des Schnees ersetzt das Skifahren jedoch nicht. Ein Gleichgewichtshilfsmittel, Inline-Skates oder das Nachahmen von Kurven ohne Ski können den Kontakt der Kante mit dem Schnee, das Gleiten, die Geschwindigkeit und die im Schwung wirkenden Kräfte nicht vollständig reproduzieren. Trocken- und Schneetraining ergänzen sich daher.

Kinderkontext

Die offiziellen Entwicklungsmodelle von Swiss-Ski und U.S. Ski & Snowboard legen in den ersten Phasen den Fokus auf Spiel, Abwechslung und grundlegende motorische Fähigkeiten. Gezieltes Konditionstraining kommt nach und nach dazu. In der Phase des Wachstumsschubs muss man mit vorübergehenden Veränderungen in Koordination, Beweglichkeit und Belastungsverträglichkeit rechnen. Zwei gleich alte Kinder müssen deshalb nicht für dieselben Übungen oder denselben Umfang bereit sein.

Eine passende Trainingseinheit hat ein klares Ziel, darf sich aber nicht wie ein Härtetest anfühlen. Bei Kindern sind kurze und verständliche Aufgaben, häufiger Wechsel der Aktivitäten, ein sicherer Raum und die Qualität der Ausführung wichtig. Schmerz, ein deutlicher Verlust der Bewegungs Kontrolle oder ungewöhnliche Ermüdung sind kein Signal, die Belastung zu erhöhen.

Häufige Missverständnisse

  • Die Trockenvorbereitung ist nur Beinkrafttraining. Ein Skifahrer braucht den ganzen Körper, Koordination, Schnelligkeit, Ausdauer und Beweglichkeit.
  • Je härter das Training, desto besser die Vorbereitung. Ermüdung an sich ist kein Ziel und kann die Bewegungstechnik verschlechtern.
  • Kinder sollen wie erwachsene Wettkämpfer trainieren. Der Inhalt muss ihre Entwicklung, Erfahrung und Konzentrationsfähigkeit berücksichtigen.
  • Ein Herbstblock reicht für die ganze Saison. Bewegungs- und Konditionsfähigkeiten werden laufend entwickelt und erhalten; nur ihr Verhältnis und die Belastung ändern sich.
  • Balanceübungen sind die ganze Skikondition. Sie sind nur eines der Werkzeuge und dürfen Laufen, Sprünge, Kraft, Spiele oder abwechslungsreiche Bewegung nicht verdrängen.

Der Blick des Trainers

Der Trainer achtet nicht nur auf die Anzahl der Wiederholungen oder auf die Zeit. Er beobachtet die Körperhaltung, die Knieachse, die Landekontrolle, Unterschiede zwischen rechter und linker Seite, die Reaktion des Kindes auf Ermüdung und die Fähigkeit, eine neue Bewegung zu lernen. Danach passt er den Schwierigkeitsgrad, die Spielregeln, die Größe der Hindernisse, die Geschwindigkeit oder die Belastungsdauer an.

Gute Trockenvorbereitung ist langfristig, abwechslungsreich und schrittweise. Ihr Ziel soll nicht nur ein müder Skifahrer sein, sondern ein beweglich starkes Kind, das auf Schnee lernen, reagieren und angemessene Belastung sicher bewältigen kann.

Quellen und Weiterlesen

  1. Swiss-Ski – Trainings-Guideline Ski Alpin
  2. U.S. Ski & Snowboard – Alpine Training Systems
  3. U.S. Ski & Snowboard – Athlete Performance Profile, Physical Fitness Domain
  4. Swiss-Ski – Konditionstraining mit Markierungskegeln
  5. Swiss-Ski – Allg. On- & Off-Snow
  6. Swiss-Ski – Off-Snow-Training und Präventionsprogramm ISPA