Kanten ist die gezielte Veränderung der Querneigung des Skis zur Schneeoberfläche. Dazu gehören das Aufkanten des Skis, das Vergrößern oder Verkleinern des Kantenwinkels sowie das Lösen der Kante vor dem Übergang in den nächsten Schwung. Aufkanten wird in der slowakischen Trainersprache vor allem für die aktive Aufstellung des Skis auf die Kante oder für den Zustand verwendet, in dem die Kante seitlichen Halt im Schnee gibt.

Beide Begriffe werden oft als Synonyme verwendet. Für den Unterricht ist es jedoch sinnvoll, zwischen Kanten als fortlaufender Bewegung und Aufkanten als ihrem Ergebnis oder einer konkreten Phasezu unterscheiden. Es handelt sich nicht um eine eigene Definition der FIS-Wettkampfregeln, sondern um eine methodische Bezeichnung der Technik.

Was mit einem aufgekanteten Ski geschieht

Bei einem flach aufgelegten Ski ist der Winkel zwischen seiner Lauffläche und der Schneeoberfläche ungefähr null. Durch das Aufkanten des Skis vergrößert sich dieser Winkel, und die Stahlkante greift stärker in den Schnee ein. Ein aufgekanteter und belasteter Ski kann eine seitliche Reaktionskraft erzeugen, die hilft, den Skifahrer auf einer gekrümmten Linie zu führen und das seitliche Rutschen zu begrenzen.

Kanten und Aufkanten – technische Darstellung der Körperarbeit in der Skibewegung

Bei einem geschnittenen Schwung biegt sich der unter Belastung gekrümmte Ski durch, und seine Kante folgt einer gebogenen Spur. Ein größerer Kantenwinkel kann einen kleineren Radius ermöglichen, garantiert ihn aber nicht allein. Das Ergebnis hängt auch ab von:

  • der Belastung und der Druckverteilung entlang des Skis,
  • dem Gleichgewicht des Skifahrers,
  • der Ausrichtung des Skis zur Bewegungsrichtung,
  • der Geometrie und Steifigkeit des Skis,
  • der Geschwindigkeit, der Hangneigung und den Schneeeigenschaften,
  • dem Zustand und der servicebedingten Einstellung der Kanten.

Ein aufgekanteter Ski muss also nicht carvingtypisch sein. Bewegt er sich teilweise seitlich, kann er auf der Kante kontrolliert rutschen. Ein solcher Rutscher ist nicht automatisch ein technischer Fehler: zur Geschwindigkeitskontrolle, in kurzen Schwüngen oder in schwierigem Gelände kann er eine bewusste Lösung sein.

Wie ein Skifahrer den Kantwinkel erzeugt

Der Kantwinkel entsteht durch die Kombination aus dem Neigen des gesamten Systems des Skifahrers in die Kurve und der Angulation, also einer passenden Ausrichtung der Körpersegmente, vor allem im Bereich von Knöcheln, Knien und Hüften. Das genaue Verhältnis ändert sich je nach Geschwindigkeit, Kurvenradius, Gelände und Fahrabsicht.

Das Kanten soll keine einmalige, abrupte Bewegung sein. In den meisten Kurven verändert sich der Kantwinkel fließend: Die alten Kanten werden entlastet, die Ski gehen während des Übergangs in eine flache Stellung über, kippen auf die neuen Kanten und ihr Winkel wird je nach benötigtem Halt weiter aufgebaut. Ebenso wichtig wie das Kanten ist deshalb Entkanten, also die Verringerung des Winkels und das Entlasten der Kanten.

Kanten und Entkanten – technische Darstellung der Arbeit von Ski, Kanten, Druck oder Gleichgewicht

Der Hinweis „zieh die Knie nach innen“ ist unvollständig und kann bei falscher Ausführung zu einer unnatürlichen Stellung der unteren Gliedmaßen führen. Der Trainer beobachtet die gesamte Bewegungsfolge, den Halt der Füße in den Skischuhen und ob der Skifahrer in dynamischem Gleichgewicht über den Skiern bleibt.

Kanten im Kinderunterricht

Bei Kindern geht es nicht darum, den größtmöglichen Kantwinkel zu erreichen. Zuerst lernen sie den Unterschied zwischen flach gefahrenem und gekantetem Ski zu erkennen und das Ausmaß des Schlupfs sicher zu steuern. Geeignete Aufgaben auf einem leichten und übersichtlichen Hang können das Queren, das Verändern der Spurbreite, Kurven mit unterschiedlichem Anteil an Schlupf oder den Vergleich von schmaler und breiter Spur im Schnee umfassen.

Der Schwierigkeitsgrad muss dem Alter, dem motorischen Niveau, der Geschwindigkeit und der Ausrüstung des Kindes entsprechen. Zu harte oder zu große Skischuhe, eine ungeeignete Skilänge oder Müdigkeit können die Fähigkeit einschränken, den Kantwinkel fein zu verändern. Der Trainer bewertet daher nicht nur die Körperposition, sondern auch, ob das Kind die Kanten bewusst einsetzen und wieder entlasten kann.

Kanten und Entkanten – praktische Anwendung der Technik beim Fahren oder im Renntraining

Bedeutung im Rennsport

Im Rennski beeinflusst das Kanten den Halt des Skis, den Kurvenradius, die Linienwahl und die Fähigkeit, Kräfte zwischen Skifahrer und Schnee zu übertragen. Der Kantwinkel verändert sich während der Kurve; der optimale Zeitpunkt lässt sich nicht mit einem einzigen allgemeinen Hinweis bestimmen. Er hängt von Disziplin, Torsetzung, Untergrund, Geschwindigkeit und Taktik ab.

Ein abruptes Kanten kann einen plötzlichen Kraftanstieg oder eine unerwünschte Richtungsänderung auslösen. Umgekehrt kann ein zu spätes Kanten zu einer breiten Spur, Höhenverlust und dem Bedarf führen, die Kurve abrupt fertigzufahren. Der Rennläufer muss deshalb die Kanten progressiv einsetzen, mit Halt vor allem auf dem Außenski, und sie nach Erfüllung der Kurvenaufgabe rechtzeitig entlasten.

Typische Missverständnisse

  • Je größer der Winkel, desto besser die Kurve. Ein großer Winkel ohne ausreichende Belastung und Balance muss keinen wirksamen Halt erzeugen.
  • Kanten bedeutet Carving. Auch ein gekanteter Ski kann kontrolliert rutschen.
  • Die Kanten entstehen nur durch die Knie. Die Bewegung entsteht im Zusammenspiel des ganzen Körpers und muss die Stellung der Gelenke respektieren.
  • Die Kante muss so lange wie möglich gehalten werden. Ohne rechtzeitiges Entkanten verschlechtern sich der Übergang und der Beginn der nächsten Kurve.
  • Der Kantwinkel beim Fahren ist der Schleifwinkel. Es handelt sich um zwei unterschiedliche Begriffe. Die Servicewinkel an Belags- und Seitenkante gehören in die Hände eines Fachservices und müssen zur Ausrüstung und zu den Herstellerempfehlungen passen.

Blick des Trainers

Der Trainer beurteilt das Kanten nicht nur danach, wie stark der Körper geneigt ist. Er beobachtet den gesamten Schwungverlauf, die Spur der Ski, das Ausmaß des Schlupfs, das Gleichgewicht, den Entstehungsort des Halts und die flüssige Entlastung der Kanten. Eine schmale, saubere Spur kann auf das Schneiden hindeuten, eine breitere, verschmierte Spur auf Schlupf; ob etwas richtig ist, hängt jedoch immer von der gestellten Aufgabe ab. Gutes Kanten bedeutet vor allem, den Kantenwinkel präzise, flüssig und im richtigen Moment zu verändern – nicht, die möglichst eindrucksvollste Position zu erreichen.

Quellen und weiterführende Lektüre

  1. Snyder et al.: Connected skiing – validation of edge angle and radial force estimation
  2. Reid et al.: Alpine Ski Motion Characteristics in Slalom
  3. Sahashi und Ichino: Carving-turn and edging angle of skis
  4. Mössner et al.: Mechanics of wedge turns in alpine skiing
  5. Mössner et al.: Mechanics of side-slipping in alpine skiing
  6. Spörri et al.: Sidecut radius and the mechanics of turning
  7. U.S. Ski & Snowboard: Alpine Coaching Manual, Level 100
  8. Canadian Adaptive Snowsports: Ski Instructor Manual