Struktur der Belagfläche ist ein bewusst erzeugtes Oberflächenrelief aus Rillen und Tragflächen auf der Gleitseite des Skis. Meist entsteht es durch das Schleifen des Belags auf einem Rotationsstein. Der Schleifprozess trägt einen Teil des Polyethylen-Materials ab und erzeugt bei richtiger Einstellung ein regelmäßiges Muster aus Rippen und Vertiefungen. Es geht also weder um den inneren Aufbau des Skis noch um zufällige Kerben von Steinen. [1, 3]
Beläge von Sportskiern werden üblicherweise aus Polyethylen mit sehr hoher Molekülmasse (UHMWPE) hergestellt. Beim Fahren berührt nicht die gesamte scheinbare Fläche des Belags den Schnee. Der tatsächliche Kontakt entsteht nur an einem Teil der Oberflächenunebenheiten und verändert sich je nach Struktur des Belags, den Eigenschaften des Schnees, der Durchbiegung des Skis, der Belastung und der Geschwindigkeit. [1, 3, 4]
Warum hat der Belag eine Struktur
Die Reibung zwischen Ski und Schnee entsteht nicht durch nur einen Mechanismus. Daran beteiligt sind unter anderem die Verformung und das Verdichten des Schnees, der Kontakt mit Kristallen, das Verdrängen von Wasser, der Widerstand einer dünnen Wasserschicht und Verunreinigungen. Die Wassermenge an der Grenzfläche ist dabei nicht konstant: Sie wird vom Zustand des Schnees, von der Oberflächentemperatur des Belags, vom Druck und von der Geschwindigkeit des Skis beeinflusst. Die Struktur hilft, ein passendes Verhältnis zwischen Tragflächen und Räumen zu schaffen, in die das Wasser ausweichen kann. [1, 4, 5]
Zu stark vereinfacht ist daher die Aussage, dass Rillen nur das Wasser „ableiten“. Ihre Aufgabe ist es, die tatsächliche Kontaktfläche und die Reibungsbedingungen zu verändern. Laboruntersuchungen haben gezeigt, dass bei Schnee nahe dem Schmelzpunkt eine Oberfläche mit breiteren Rillen und schmaleren Tragflächen vorteilhafter sein kann. Bei kalten Bedingungen erzielte eine Oberfläche mit schmaleren Rillen und einem größeren Anteil an Tragfläche geringere Reibung. Dabei handelt es sich jedoch um das Ergebnis konkreter kontrollierter Messungen, nicht um eine universelle Anleitung für jeden Ski und jeden Schnee. [2]
Feine, grobe und kombinierte Struktur
In der Servicepraxis werden Strukturen nach Feinheit, Tiefe, Abstand und Ausrichtung des Musters beschrieben. Servicemaschinen können einfache Längsstrukturen ebenso erzeugen wie komplexere kombinierte oder variable Muster. Die Bezeichnung der Struktur und die Einstellung der Maschine sind jedoch zwischen einzelnen Herstellern nicht automatisch vergleichbar. [6, 7]

Als grobe Service-Regel wird eine feinere und geschlossenere Oberfläche eher mit kaltem, trockenem und feinkörnigem Schnee verbunden. Eine offenere Struktur wird eher bei wärmerem oder feuchtem Schnee verwendet, wenn der Wasseranteil zwischen Belag und Schnee wichtiger wird. Die Auswahl nur nach Lufttemperatur ist ein Fehler. Wichtiger können die Temperatur und die Umwandlung des Schnees, der Wasseranteil, die Korngröße, der natürliche oder technische Ursprung des Schnees, die Geschwindigkeit und die Belastung des Skis sein. [1, 2, 5, 8]
Kinder und Rennskilauf
Bei Kinder-Freizeitski lohnt es sich nicht, für jeden Tag eine spezielle Rennstruktur zu suchen. Aus Sicht von Trainer und Service sind ein ebener, unbeschädigter und angemessen gepflegter Belag, richtig vorbereitete Kanten und ein vorhersehbares Verhalten des Skis wichtiger. Jeder Steinschliff trägt Material ab, deshalb sollte er nicht automatisch nach jedem kleinen Oberflächenkratzer gemacht werden.
Im Rennskilauf kann die passende Struktur den Lauf vor allem in Passagen beeinflussen, in denen der Athlet die Ski flach führt oder die Geschwindigkeit halten muss. Das Muster selbst kann jedoch nicht getrennt von der Konstruktion des Skis, dem Zustand des Belags, der Oberflächenvorbereitung und dem aktuellen Schnee bewertet werden. Bei wichtigen Rennen ist die Wahl das Ergebnis von Service-Erfahrung und Vergleichstests, nicht nur ein Blick auf die Rillen.
Häufige Missverständnisse
- Eine tiefere Struktur ist nicht automatisch schneller. Eine ungeeignet offene Oberfläche kann in kaltem, trockenem Schnee den Widerstand erhöhen.
- Kratzer sind keine Struktur. Die Struktur ist ein regelmäßiges und wiederholbares Muster; Steinschlieren sind eine Beschädigung.
- Eine einzige Struktur ist nicht unter allen Bedingungen die beste. Die optimale Oberfläche verändert sich mit Schnee, Wasser, Geschwindigkeit und Belastung.
- Die Struktur ersetzt nicht den gesamten Service. Es ist nur ein Teil der Skivorbereitung.
- Eine Rennpräparation muss für einen Kinder-Trainingsski nicht geeignet sein. Bei Kindern haben Angemessenheit, Haltbarkeit der Ausrüstung und zuverlässige Kontrolle Vorrang.
Das Schleifen und die Änderung der Struktur sollte man einem erfahrenen Skiservice anvertrauen. Der Techniker muss gleichzeitig die Ebenheit der Lauffläche, das Ausmaß der Beschädigung, den Zustand der Kanten und die Materialmenge beurteilen, die sicher abgetragen werden kann.
Quellen und weiterführende Lektüre
- 1. Frontiers in Physiology – Eine wissenschaftliche Perspektive auf die Reduzierung der Ski-Schnee-Reibung
- 2. Tribology Letters – Wirkung unterschiedlicher Traganteile auf die Reibung zwischen Ski-Laufflächen aus UHMWPE und Schnee
- 3. Frontiers in Mechanical Engineering – Über den Einfluss der Mikrotopografie auf die Gleitleistung von Langlaufskiern
- 4. Tribology Letters – Mechanik des Ski-Schnee-Kontakts
- 5. Medicine & Science in Sports & Exercise – Eine Übersicht über die Reibung von Schneeskiern
- 6. MONTANA – CRYSTAL ONE 2.0, Stein-Schliff- und Struktur-System
- 7. WINTERSTEIGER – Ski-Service-Zubehör und Strukturmuster 2024/2025
- 8. Tribology International – Tribologische Aspekte des Skifahrens im Schnee: Ein umfassender Überblick