Was ist Rotation

Rotation ist eine Drehbewegung des Körpers oder eines Körperteils um eine Achse. Beim Skifahren geht es dabei meist um eine Bewegung in der Querebene um die ungefähr senkrechte Achse des Skifahrers. In der praktischen Fachsprache kann damit das Drehen von Beinen und Skiern, die gegenseitige Ausrichtung von Unter- und Oberkörper oder das Drehen des ganzen Körpers in den Schwung gemeint sein. Diese Bewegungen haben nicht denselben Zweck und nicht denselben technischen Wert.

Bei funktionaler Rotation werden die Ski vor allem durch die Beinbewegung gedreht: Die Oberschenkel rotieren in den Hüftgelenken, und Unterschenkel und Füße unterstützen die Bewegung. Der Unterkörper kann so die Richtung unter einem relativ ruhigen Oberkörper verändern. Es entsteht die Trennung der Bewegung von Unter- und Oberkörper, die dem Skifahrer hilft, das Gleichgewicht zu halten und Halt auf dem Außenski zu schaffen.

Rotation wirkt nicht allein. Ihre Wirkung hängt von der Kantstellung, der Druckverteilung, der Geschwindigkeit, dem Schwungradius, der Hangneigung und den Schneeverhältnissen ab. Einen flacheren oder entlasteten Ski kann man leichter drehen; bei stärkerer Kantung wird die Skirichtung mehr durch die Verformung des Skis und den Kontakt der Kante mit dem Schnee verändert. Deshalb nutzt ein gesteuerter geschwungener Schwung sichtbarere Skidrehung als ein sauberer Carving-Schwung, auch wenn die Rotationsbewegungen der Beine und ihre Ausrichtung bei beiden Fahrweisen Teil der Technik bleiben.

Rotation der Beine und Rotation des Oberkörpers

In der Sprache der Trainer bedeutet der Hinweis „dreht zu viel“ meist nicht jede Rotationsbewegung. Meist heißt das, dass der Skifahrer den Schwung mit einem abrupten Drehen von Schultern, Armen oder Becken einleitet und versucht, die Ski dem Oberkörper nachzuziehen. Eine solche Bewegung kann die Position über dem Außenski schwächen, das rechtzeitige Kanten erschweren und ein unkontrolliertes Ausbrechen der Skienden verursachen.

Ein Drehen des Oberkörpers darf man jedoch nicht in jedem Fall als Fehler bezeichnen. Die Bewegung einzelner Körpersegmente verändert sich je nach Gelände, Geschwindigkeit und Aufgabe. Die Rotation von Becken oder Oberkörper kann situativ eine Impulsquelle sein, zum Beispiel in der Luft oder unter besonderen Schneeverhältnissen. Die Grundlage der meisten Schwünge auf präparierter Piste bleibt jedoch eine genauere Steuerung der Ski mit den Beinen.

Rotation bei Kindern

Ein Anfänger kann die Bewegung von Beinen und Oberkörper noch nicht zuverlässig trennen. Ein Kind kann deshalb bei ersten Richtungswechseln den ganzen Körper drehen, die Arme durch den Schwung mitnehmen oder große und ungenaue Bewegungen verwenden. Das sollte nicht mit denselben Maßstäben wie die Technik eines erfahrenen Rennläufers bewertet werden.

Rotation – technische Illustration Ski Loko

Nach und nach entwickelt sich die Fähigkeit, beide Beine in dieselbe Richtung zu drehen, das Ausmaß der Drehung zu steuern und einen ruhigeren Oberkörper zu halten. U.S. Ski & Snowboard zählt Rotationsfähigkeiten zu den grundlegenden Skikönnen und verfolgt im Entwicklungsprofil auch den schrittweisen Aufbau der Trennung von Ober- und Unterkörper. Die Übungen sollen dem Alter, den Erfahrungen und dem motorischen Niveau des Kindes entsprechen.

Das Üben ist auf einem sanften und übersichtlichen Hang sicherer, wo das Kind keine Abwehrbewegungen aus Angst oder wegen zu hoher Geschwindigkeit braucht. Je nach Niveau kann man einfache Drehungen im Stand, das Drehen der Ski beim Rutschen, Schwünge in einem vorgegebenen Korridor oder Änderungen der Schwungröße einsetzen. Das sind Beispiele aus der Trainingspraxis, kein allgemeingültiges Verfahren für jedes Kind.

Bedeutung im Wettkampf

Im Rennski wird das Ausmaß und die Geschwindigkeit des Drehens der Ski an Disziplin, Torabstand, Pistenbeschaffenheit und die gewählte Linie angepasst. Slalom erfordert in der Regel schnellere Richtungswechsel und eine deutliche Unabhängigkeit der Beine. Im Riesenslalom und in den Speed-Disziplinen versucht der Rennläufer unnötiges Rutschen zu vermeiden, kann in schwierigen Situationen aber ein bewusstes kurzes Drehen der Ski vor dem festen Ankanten einsetzen. Allein das Vorhandensein von Rutschen beweist daher noch keinen technischen Fehler; entscheidend sind Zweck und Folge.

Rotation ist im alpinen Skifahren kein einzeln bewertetes Element. Die FIS-Regeln regeln den Wettkampf, die Streckenfahrt, die Tore, den Start, das Ziel und weitere Bedingungen, während die Bewertung von Rotationsbewegungen zur technischen Analyse des Trainers gehört.

Typische Missverständnisse

  • „Jede Rotation ist schlecht.“ Ohne die Möglichkeit, die Beine zu drehen, könnte ein Skifahrer einen geschwungenen Schwung nicht genau steuern und die Richtung der Ski nicht schnell anpassen.
  • „Beim Carven dreht sich nichts.“ Die Ski werden zwar vor allem über die belastete und gekantete Innenkante geführt, aber die Beine verändern während der Kurve ihre Orientierung und ihr Verhältnis zum Becken.
  • „Ein ruhiger Oberkörper bedeutet einen unbeweglichen Oberkörper.“ Der Oberkörper reagiert auf Kräfte und Gelände; Ziel ist nicht Steifheit, sondern zweckmäßige Stabilität.
  • „Es reicht, die Schultern in die neue Kurve zu drehen.“ Eine starke Führung über die Schultern verdeckt oft eine mangelnde Entlastung der Kanten oder eine unzureichende Steuerung der Beine.

Trainerblick

Der Trainer achtet nicht nur darauf, ob sich der Skifahrer dreht. Er bewertet welcher Segment die Bewegung begonnen hat, in welcher Phase der Kurve, mit welcher Geschwindigkeit und mit welchem Ergebnis auf dem Schnee. Zuerst beobachtet er das Verhalten der Ski: Richtung der Skispitzen, Bewegung der Skienden, das Ausmaß des Rutschens und den Zeitpunkt des Kantenwechsels. Erst danach entscheidet er, ob die Rotation der Beine zweckmäßig ist oder ob die Bewegung des Oberkörpers nur ein Problem mit dem Gleichgewicht, der Kantenführung oder dem Druck ausgleicht.

Eine gute Rotation ist nicht die größtmögliche. Sie wird genau dosiert, schließt an das Entlasten der alten Kanten an und ermöglicht dem Skifahrer, die nötige Kurvenform ohne Stabilitätsverlust zu wählen.

Quellen und weiterführende Lektüre

  1. Canadian Ski Instructors’ Alliance – The Canadian Teaching Approach
  2. Canadian Ski Instructors’ Alliance – The Skills Framework
  3. Canadian Ski Instructors’ Alliance – Fundamentals of Skiing
  4. U.S. Ski & Snowboard – SkillsQuest
  5. U.S. Ski & Snowboard – Athlete Performance Profile
  6. U.S. Ski & Snowboard – Level 100 Alpine Manual
  7. FIS – Alpine Documents and International Competition Rules