Was ist der zweite Lauf
Zweiter Lauf ist der zweite Wettkampflauf in Rennen, die in zwei Läufen entschieden werden. In den englischen FIS-Regeln wird die Bezeichnung second runverwendet. Es ist kein Wiederholungslauf und auch kein eigenständiges Rennen: Das Ergebnis wird in der Regel aus der Summe der Zeiten des ersten und des zweiten Laufs ermittelt.
Typische Zweilauf-Disziplinen sind Slalom und Riesenslalom. Der zweite Lauf kann am selben Hang stattfinden, aber mit einer anderen Torsetzung. Schnee, Sicht und Streckenzustand können sich zudem seit dem ersten Lauf deutlich verändert haben. Deshalb kann die Rennläuferin oder der Rennläufer den Fahrstil aus dem ersten Lauf nicht einfach automatisch wiederholen.
Nicht jede alpine Disziplin hat einen zweiten Lauf. Super-G und der normale Abfahrt werden üblicherweise in einem Wettkampflauf gefahren, auch wenn die FIS-Regeln besondere Fälle einer zweiläufigen Abfahrt kennen. Spezialformate, etwa Teamkombination oder Parallelrennen, haben eigene Regeln und können nicht automatisch als klassischer erster und zweiter Lauf bewertet werden.
Wer darf starten
In den zweiten Lauf kommen die Rennläuferinnen und Rennläufer nach dem Ergebnis des ersten Laufs und nach dem Reglement des jeweiligen Rennens. Grundvoraussetzung ist das ordnungsgemäße Beenden des ersten Laufs. Wer die Strecke nicht beendet hat oder disqualifiziert wurde, hat in der Regel kein gültiges Ergebnis, mit dem er weiterkommen könnte.
Bei normalen FIS-Rennen wird die Startreihenfolge des zweiten Laufs aus der Ergebnisliste des ersten Laufs gebildet. Die ersten 30 Klassierten werden dabei üblicherweise umgekehrt: Der dreißigste startet zuerst, der neunundzwanzigste als Zweiter und der führende Rennläufer des ersten Laufs geht als Dreißigster ins Rennen. Ab Platz 31. folgt die Reihenfolge nach den Ergebnissen des ersten Laufs. Die Jury kann nach den Regeln entscheiden, dass nur die ersten 15 Rennläuferinnen und Rennläufer umgedreht werden; ein solcher Beschluss muss spätestens eine Stunde vor dem Start des ersten Laufs gefasst werden.
Eine besondere Regel kann die Zahl der Weiterkommenden begrenzen. So erlaubten die FIS-Weltcupregeln für die Saison 2025/26 im Slalom, Riesenslalom und in der zweiläufigen Abfahrt den Aufstieg nur für die ersten 30 Rennläuferinnen und Rennläufer. Diese Einschränkung darf man ohne Prüfung der Ausschreibung nicht auf Kinder-, nationale oder Klubrennen übertragen.
Für den zweiten Lauf muss eine eigene Startliste veröffentlicht werden. Die Startnummer auf dem Rennanzug sagt daher nichts über die Startreihenfolge im zweiten Lauf aus. Eltern oder Rennläufer sollten sie nicht nur aus dem Ergebnis oder der ursprünglichen Startnummer ableiten.

Bedeutung für junge Skifahrer
Die umgekehrte Reihenfolge gibt den schnellsten Rennläufern des ersten Laufs einen späteren Start. Das Ergebnis bleibt so bis zum Schluss der umgedrehten Gruppe offen. Gleichzeitig kann die Strecke für einzelne Rennläufer in unterschiedlichem Zustand sein, was zum Sport im Freien ganz natürlich dazugehört.
Das Kind sollte vor dem zweiten Lauf vor allem wissen:
- ob es weitergekommen ist und welche Startreihenfolge es hat,
- wann und wie die Besichtigung der Strecke abläuft,
- wo es sich aufwärmen soll und wann es zum Start gehen muss,
- was im ersten Lauf technisch wesentlich war,
- dass der erste Lauf nicht gestrichen wird und seine Zeit Teil des Ergebnisses bleibt.
Den zweiten Lauf sollte man nicht als kopflosen Angriff verstehen, um den Rückstand zu löschen. Die passende Taktik hängt von Alter, Erfahrung, Streckenverlauf und den Anweisungen des Trainers ab. Bei jüngeren Kindern sind die Orientierung im Kurs, das saubere Durchfahren der Tore und das sichere Zielbringen wichtiger als Zwischenzeiten oder Abstände zu den Gegnern.
Typische Missverständnisse
„Der Sieger des zweiten Laufs hat das Rennen gewonnen.“ Nicht unbedingt. Entscheidend ist das Gesamtergebnis nach den Regeln des Wettbewerbs, bei einem klassischen Zweilauf-Format die Summe beider Zeiten.
„Der Führende nach dem ersten Lauf startet im zweiten als Erster.“ In der umgekehrten Gruppe ist es genau andersherum – er geht erst nach den übrigen Läufern dieser Gruppe an den Start.
„Der zweite Lauf ist ein Wiederholungsdurchgang.“ Ein Wiederholungsdurchgang, den die Jury unter genau festgelegten Umständen erlauben kann, ersetzt den beeinträchtigten Versuch. Der zweite Lauf ist ein regulärer und im Voraus geplanter Teil des Wettbewerbs.
Blick des Trainers
Zwischen den Läufen trennt der Trainer gewöhnlich die Bewertung der ersten Leistung von der Vorbereitung auf den neuen Lauf. Die Anweisungen sollen kurz, altersgerecht und auf wenige gut machbare Aufgaben ausgerichtet sein. Gleichzeitig kontrolliert der Trainer die offizielle Startliste, den Zeitplan und die Entscheidungen der Jury. Das genaue Vorgehen bestimmen immer die aktuellen Regeln, Ausschreibungen und Anweisungen des Veranstalters des jeweiligen Rennens.
Quellen und weiterführende Lektüre
- FIS – International Competition Rules for Alpine Skiing (ICR), Version 13. 11. 2024
- FIS – Rules for the Alpine FIS World Cup, Ausgabe 2025/26
- FIS – Alpine Data & Software Booklet, Version 1.15
- FIS – Timing & Data: Regeln und technische Dokumente zur Zeitmessung
- FIS – Olympische Winterspiele 2026, Dokumentation der alpinen Wettbewerbe und Startlisten
- FIS – Regeln und Präzisierungen für Weltmeisterschaften und besondere Wettbewerbsformate