Die häufigste Frage vor dem Wintertraining lautet: „Wird ihm nicht kalt?“ Die zweite, die man gleich danach stellen sollte, ist: „Wird ihm nicht zu warm?“ Ein Kind auf Skiern steht nicht an der Bushaltestelle. Es bewegt sich, schwitzt, sitzt am Lift, fährt wieder los und bekommt dabei Schnee in die Handschuhe. Gute Kleidung muss diesen ganzen Ablauf mitmachen.
Das sind drei Ziele. Nicht „so viele Schichten wie möglich“. Funktionelles Zwiebelprinzip soll Feuchtigkeit vom Körper wegleiten, für angemessene Wärme sorgen und von außen vor Wind und Schnee schützen. Wenn ein Kind vom Schweiß nass ist, kann es nach dem Anhalten sehr schnell auskühlen.
Drei Schichten funktionieren besser als ein einziger riesiger Pullover
Die American Academy of Pediatrics empfiehlt bei Winteraktivitäten mehr dünne Schichten, weil sie sich an die Bedingungen anpassen lassen und helfen, das Kind trocken und warm zu halten. Alpine Canada beschreibt bei den jüngsten Skifahrern dasselbe Prinzip: eine feuchtigkeitsableitende Basisschicht, eine isolierende Zwischenschicht und eine äußere Schutzschicht.
Sie liegt direkt auf der Haut und soll Feuchtigkeit ableiten. Alpine Canada nennt dafür zum Beispiel Wolle oder synthetisches Funktionsmaterial.
Sie sorgt für zusätzliche Isolierung. Je nach Temperatur kann das Fleece, ein Funktionshoodie oder eine andere passende Isolationsschicht sein.
Jacke und Hose sollen vor Wind und Schnee schützen. Beim Kinderskifahren ist auch die Feuchtigkeitsbeständigkeit wichtig.
Wenn es wärmer wird oder das Training intensiver ist, können wir eine Schicht ablegen. Das ist einer der größten Vorteile des Zwiebelprinzips.
Praktische Regel: Wenn wir das Kind nach den ersten Abfahrten kontrollieren und es am Rücken deutlich verschwitzt ist, braucht es nicht unbedingt eine „noch wärmere Jacke“. Oft braucht es eine bessere Feuchtigkeitsableitung oder eine Schicht weniger.
Ein verschwitztes Kind ist nicht automatisch richtig angezogen
Beim Training entsteht Wärme. Wenn die Kleidung sie nicht nach außen lässt, schwitzt das Kind. Das Problem kommt am Lift oder bei einer längeren Pause: Die nasse Schicht am Körper ist plötzlich sehr unangenehm.
Darum achten wir auf den ganzen Tag, nicht nur die Temperatur am Morgen auf dem Parkplatz.
Slalom, Skifahren im Pflug, Gehen, Spiele und Stürze können ein Kind deutlich stärker aufwärmen als eine ruhige Fahrt mit den Eltern.
Hier zeigt sich, ob die Schicht isoliert und ob das Kind trocken geblieben ist. Nasse Handschuhe oder eine nasse Unterwäsche-Schicht sind plötzlich ein viel größeres Problem.
Hände: der Ort, an dem das Training sehr schnell enden kann
Alpine Canada empfiehlt für Kinder wasserdichte, gefütterte Handschuhe oder Fäustlinge. Aus der Vereinspraxis fügen wir noch etwas Einfaches hinzu: Bei kleineren Kindern ist ein trockener Ersatzpaar im Rucksack oft wertvoller als die Hälfte der übrigen „zur Sicherheit“ eingepackten Sachen.
Wenn ein Kind stürzt, mit Schnee spielt oder die Handschuhe in der Pause auf einem nassen Platz auszieht, kann das zweite Paar den Rest des Trainings retten.
Wenn die Hände kalt und die Handschuhe nass sind, sagen wir nicht: „Es bleibt ja nur noch eine Stunde.“ Wechseln, aufwärmen, das Kind prüfen. Der Komfort der Hände beeinflusst direkt die Konzentration und die Lust weiterzumachen.
Füße: Der Skischuh muss immer noch wie ein Skischuh funktionieren
Alpine Canada betont, dass ein richtig sitzender Skischuh wichtig für die Entwicklung grundlegender Skifertigkeiten ist. Er soll Fuß und Unterschenkel sicher halten, aber nicht unsinnig eng sein.
Zum Skifahren verwenden wir eine Funktionssocke, die Feuchtigkeit ableitet. Wir füllen den freien Raum im Skischuh nicht mit mehreren dicken Socken. Wenn der Schuh nicht passt, ist die Lösung die richtige Größe und Einstellung des Skischuhs, nicht noch eine weitere Stoffschicht.
Wenn Sie die passende Größe von Ski und Schuhen selbst klären, schauen Sie auch Wie man Ski und Skischuhe für ein Kind auswählt.
Hals, Gesicht, Helm und Brille
Ein Schlauchschal ist beim Skifahren praktischer als ein langer, loser Schal. Er soll den Hals und je nach Wetter auch einen Teil des Gesichts schützen, ohne bei der Bewegung oder unter dem Helm zu stören.
Der Helm muss richtig sitzen. Alpine Canada empfiehlt, dass er fest sitzt, gerade über den Augenbrauen, sich bei Kopfbewegungen nicht verschiebt und zusammen mit der Brille funktioniert. Die Brille soll dem Kind gute Sicht ermöglichen und gleichzeitig bequem mit dem Helm sitzen.
Bei sonnigem Wetter darf auch der Schutz vor UV-Strahlung nicht vergessen werden. Die American Academy of Pediatrics weist darauf hin, dass Schnee die Strahlung reflektiert und in größerer Höhe die Sonnenbelastung stark sein kann.
Was wir zusätzlich im Rucksack haben
Für ein normales Kindertraining müssen wir nicht den halben Haushalt mitnehmen. Ein paar Dinge können ein Problem aber sehr schnell lösen:
- Ersatz-Trockenhandschuhe oder Fäustlinge,
- eine Ersatz-Unterschicht oder ein T-Shirtwenn das Kind deutlich schwitzt,
- trockene Socken,
- Schlauchschalwenn der erste nass wird,
- Wasser und ein kleiner Snack,
- je nach Bedingungen Sonnencreme und Lippenbalsam.
Beim ganztägigen Skifahren ist es hilfreich, trockene Sachen so griffbereit zu haben, dass man nicht im Kofferraum an einem Parkplatz drei Parkplätze weiter danach suchen muss.
Wir kontrollieren das Kind, nicht nur die Wetter-App
Zwei Kinder in derselben Jacke können ganz unterschiedlich reagieren. Eines schwitzt bei jeder Abfahrt, das andere friert nach zehn Minuten. Deshalb prüfen wir die Kleidung nach den ersten Fahrten ganz praktisch.
Wir achten vor allem auf:
- ob die Unterschicht vom Schweiß nass ist,
- ob Hände und Füße warm sind,
- ob Handschuhe oder Kleidung durchnässt sind,
- ob das Kind zittert oder ungewöhnlich schlapp ist,
- ob es sich über Taubheit, Schmerzen oder starke Kälte an unbedeckter Haut beschwert.
Die CDC nennt als Warnzeichen einer Unterkühlung neben Zittern auch starke Müdigkeit, Verwirrtheit, Ungeschicklichkeit und Schläfrigkeit. Bei Erfrierungen kann ein erstes Zeichen Schmerz oder Rötung sein; später Taubheit oder ungewöhnlich blasse, wachsartige Haut. Bei solchen Anzeichen geht es nicht mehr darum, für die „nächste Abfahrt“ zu schichten, sondern um Sicherheit und je nach Schwere um medizinische Hilfe.
Und dann noch ein weiterer Check nach den ersten Fahrten. Die Vorhersage sagt uns, was wir vorbereiten sollen. Das Kind sagt uns — durch sein Verhalten, seine Temperatur und die Feuchtigkeit der Kleidung —, ob wir richtig gelegen haben.
