Tor verpasst ist die gebräuchliche Bezeichnung für eine Situation, in der ein Rennläufer das Tor nicht so passiert, wie es die Regeln vorschreiben. Genauer gesagt handelt es sich um falsches Passieren eines Tores oder einen Torfehler (gate fault). Wenn der Rennläufer den Fehler nicht auf die von den Regeln erlaubte Weise behebt, ist das ein Grund für die Disqualifikation.
Wann ist ein Tor korrekt passiert
Nach den FIS-Regeln ist ein Tor dann korrekt passiert, wenn beide Skispitzen und beide Füße des Rennläufers die Torlinie überqueren. Die Torlinie ist eine gedachte Linie, die durch die Position der betreffenden Stangen bestimmt wird; ihr genauer Verlauf hängt von der Disziplin und davon ab, ob es sich um ein klassisches Tor oder ein Ein-Stangen-Tor handelt.
Wenn sich ein Ski löst, ohne dass zuvor bereits ein Torfehler entstanden ist, bewerten die Regeln die Spitze des verbleibenden Skis und beide Füße. Entscheidend ist also nicht die Position des Kopfes, der Schultern oder der Körpermitte.
Als Verpassen gilt zum Beispiel eine Situation, in der ein Rennläufer:
- die Wendestange von der falschen Seite umfährt,
- die Stange zwischen die Ski oder Füße bekommt – das sogenannte Überkreuzen der Stange (straddle),
- nach einem Sturz unter dem Tor hindurchrutscht und ohne korrektes Passieren weitermacht,
- in einer Slalom-Kombination eines der Tore auslässt,
- die Fahrtrichtung der Strecke verwechselt.
Eine bloße Berührung oder das Umwerfen einer Klappstange ist kein Beweis für einen Fehler. Ein Rennläufer kann die Stange treffen und das Tor dennoch korrekt passieren. Ebenso kann er dicht an der Stange vorbeifahren, ohne sie zu berühren, aber auf der falschen Seite der Torlinie.
Folge im Rennen
Ein falsches Passieren eines Tores ist laut FIS ICR ein Grund für die Disqualifikation. Der Torrichter notiert, was er gesehen hat, einschließlich der Startnummer des Rennläufers und der Torbezeichnung. Die endgültige sportliche Entscheidung trifft jedoch nicht der Torrichter selbst; der Fall wird nach den Regeln für Schiedsrichter, Jury und mögliche Proteste behandelt.
Ein Rennläufer, der ein Tor verpasst hat und den Fehler nicht behebt, darf nicht über weitere Tore weiterfahren. Das Weiterfahren kann außerdem gefährlich sein, da auf der Strecke ein weiterer Starter unterwegs sein kann.

Im Slalom darf der Rennläufer nach einem Fehler wieder nach oben zurückkehren und das verpasste Tor korrekt passieren, sofern er dem nächsten Rennläufer nicht im Weg ist und von diesem nicht überholt wurde. Er muss jedoch genau das falsch durchfahrene Tor korrigieren, nicht nur den Stangenpfosten von der anderen Seite unterhalb der Torlinie umrunden.
Im Riesenslalom, Super-G und Abfahrt lassen die Regeln nach dem vollständigen Anhalten kein Weiterfahren zu. Ein Zurückgehen nach oben, wie es vor allem aus dem Slalom bekannt ist, kann daher nicht automatisch auf die anderen Disziplinen übertragen werden. Bei Kinder- und nationalen Veranstaltungen müssen zugleich die geltenden Regeln des jeweiligen Verbandes und die Ausschreibung des Rennens beachtet werden.
Kinder- und Trainingskontext
Bei jüngeren Kindern muss eine ausgelassene Torstange nicht nur auf Unaufmerksamkeit zurückgehen. Oft hängt sie mit einem späten Einleiten der Kurve, zu hoher Geschwindigkeit im Verhältnis zu den Fähigkeiten, Gleichgewichtsverlust oder damit zusammen, dass das Kind nur die nächstgelegene Stange beobachtet und die weitere Linienführung der Strecke nicht wahrnimmt. Besonders schwierig sind vertikale Passagen, Haarnadelkurven und Tore mit Rhythmuswechsel.
Trainingspraxis: Der Trainer kann altersgerecht das Erkennen von Farben und Torreihenfolge, den Blick nach vorne, die richtige Linie vor dem Tor und das Durchfahren einfacher Kombinationen bei niedrigerer Geschwindigkeit üben. Bei einem Fehler ist es wichtig, zuerst die Sicherheit des Kindes und der anderen Skifahrer zu gewährleisten. Das Zurückkehren zum Tor wird nur auf einem abgesperrten oder kontrollierten Abschnitt nach Anweisung des Trainers geübt, nicht durch eigenmächtiges Verlassen der aktiven Strecke.
Aus Trainersicht ist es hilfreicher, die Ursache des Fehlers zu suchen, als das Kind nur darauf hinzuweisen, dass es „die Stange verpasst“ hat. Eine ausgelassene Torstange entsteht oft ein bis zwei Kurven früher – durch eine falsche Linie, zu spätes Verlagern des Drucks oder unzureichendes Lesen der Strecke.
Die im Eintrag genannten Regeln wurden anhand der bis zum 2. September 2026verfügbaren Dokumente überprüft, insbesondere anhand der FIS ICR, Art. 614.2.2, 614.2.3, 629.3 und 661.4.1.
Quellen und weiterführende Lektüre
- FIS – Alpine Skiing Documents: International Competition Rules (ICR), Ausgabe vom 6. Juli 2026
- U.S. Ski & Snowboard – 2026 Alpine Competition Guide
- U.S. Ski & Snowboard – 2026 Alpine Competition Guide, vollständiges PDF
- U.S. Ski & Snowboard – Alpine Competition Officials Education Resources
- U.S. Ski & Snowboard – 2025–26 Alpine Precisions
- U.S. Ski & Snowboard – offizielles Quellenverzeichnis für den alpinen Skisport
- U.S. Ski & Snowboard – Regeln & Ausrüstung