Was ist Sidecut
Sidecut, auf Slowakisch Skiausschnitt, ist die Krümmung seiner seitlichen Kontur von oben betrachtet. Ein gewöhnlicher Abfahrtski ist im Bereich von Schaufel und Skiende breiter und in der Mitte schmaler. Diese Form ermöglicht es dem Ski, nach dem Aufkanten und einer angemessenen Biegung einer gekrümmten Spur zu folgen.
Die Maße werden oft mit drei Zahlen angegeben, zum Beispiel 120–70–105 mm. Sie geben die Breite des Skis im vorderen, mittleren und hinteren Bereich an. Den eigentlichen Ausschnitt kann man jedoch nicht zuverlässig nur anhand der Differenz dieser drei Zahlen beurteilen, da auch ihre Position und die Skilänge eine Rolle spielen.
Der Ausschnitt ist nicht dasselbe wie die Längsbiegung des Skis, Camber oder Rocker. Sidecut beschreibt den seitlichen Grundriss, während Camber und Rocker das Längsprofil des Skis in der Seitenansicht bezeichnen.
Ausschnittradius
Ausschnittradius oder sidecut radius ist eine zahlenmäßige Annäherung an den durchschnittlichen Radius der Seitenkontur des Skis. Er wird in Metern angegeben. Die FIS definiert ihn als Annäherung an den durchschnittlichen Radius, die eine allgemeine Beschreibung der seitlichen Form des Skis ermöglicht. Bei der offiziellen Vermessung von Rennmaterial werden festgelegte Breiten und Abstände verwendet, die an der Lauffläche gemessen werden; das Verfahren knüpft an die Norm ISO 6289 an.
Bei gleicher Skilänge gilt im Allgemeinen:
- stärkerer Ausschnitt bedeutet kleineren Nennradius,
- schwächerer Ausschnitt bedeutet größeren Nennradius.
Die Länge ist wichtig: Zwei Skier mit ähnlichen Breiten müssen nicht denselben Radius haben, wenn sie unterschiedlich lang sind.
Der Nennradius ist nicht der tatsächliche Radius der Kurve
Die auf dem Ski aufgedruckte Angabe bedeutet nicht, dass der Skifahrer nur Kurven dieser Größe fahren wird. Es handelt sich um einen geometrischen Parameter des Ski, der auf vorgeschriebene Weise gemessen wird, nicht um eine zugesagte Fahrlinie.

Den tatsächlichen Schwung beeinflussen vor allem:
- der Kantenwinkel,
- die elastische Durchbiegung des Skis,
- Ort und Verlauf der Belastung,
- die Längs- und Torsionssteifigkeit des Skis,
- die Fahrgeschwindigkeit,
- die Härte und Unebenheit des Schnees,
- das Rutschen oder die saubere Kantenführung,
- die Technik und die Körperproportionen des Skifahrers.
Ein Ski mit kleinerem Radius kann daher auch einen längeren Schwung erzeugen, und ein Ski mit größerem Radius kann bei passender Kantung, Durchbiegung und Steuerung eine kürzere Spur fahren. Beim Schwung mit Rutschen ist der Zusammenhang zwischen Taillierung und Spur noch lockerer.
Bedeutung für junge Skifahrer
Eine passende Taillierung kann einem Kind das erste Verständnis erleichtern, dass ein auf die Kante gestellter Ski von selbst zu drehen beginnt. Ein kleinerer nomineller Radius bedeutet jedoch nicht automatisch einen geeigneteren oder sichereren Kinderski. Bei der Auswahl müssen Länge, Flex, Gewicht, Konstruktion und das Können des Kindes gemeinsam bewertet werden.
Ein Anfänger steuert die Richtung noch oft vor allem durch das Drehen der Beine und kontrolliertes Rutschen. Es ist daher nicht richtig zu verlangen, dass er von den ersten Tagen an die Taillierung für sauber geschnittene Schwünge nutzt. Mit wachsendem Können lernt er, Kantenwinkel, Druck und Drehen zu kombinieren, um Größe und Form des Schwungs verändern zu können. Die Methodik von U.S. Ski & Snowboard nennt die Fähigkeit, kurze, mittlere und lange Schwünge zu fahren und später ihren Radius auch während des Schwungs anzupassen.
Renndisziplin
Im Rennski ist der Radius nicht nur ein Orientierungswert des Herstellers. Die FIS legt die Messmethode fest und definiert für einzelne Disziplinen und Kategorien technische Anforderungen an Ski, einschließlich Radius, Länge oder Breite. Die genauen Grenzen müssen daher in den für die jeweilige Saison und den jeweiligen Wettkampf geltenden Regeln geprüft werden. Für die Saison 2026/27 veröffentlichte die FIS eigene Spezifikationen für alpine Rennausrüstung, gültig ab Juli 2026.
Ein Freizeithinweis am Ski und ein amtlich überprüfter Parameter eines Rennskis sind aus Sicht der Regeln nicht dasselbe. Beim Kauf von Rennski für ein Kind muss man von den aktuellen Regeln des Veranstalters, der Alterskategorie und der Disziplin ausgehen, nicht nur von der Handelsbezeichnung des Modells.
Typische Missverständnisse
- Kleinerer Radius bedeutet immer kürzeren Schwung. Nein; die resultierende Spur entsteht durch das Zusammenspiel von Geometrie, Durchbiegung und Steuerung des Skis.
- Der Ski dreht von selbst. Die Taillierung hilft, den Schwung zu führen, aber der Skifahrer muss Kanten, Druck, Balance und Beinausrichtung regulieren.
- Drei Maße beschreiben das Verhalten des Skis vollständig. Sie beschreiben weder seine Steifigkeit noch sein Federverhalten oder die gesamte Verteilung der Seitenform.
- Der kleinste Radius ist für ein Kind am leichtesten. Ein zu aggressiver oder zu harter Ski kann je nach Gewicht und Technik des Kindes ungeeignet sein – unabhängig vom angegebenen Radius.
Blick des Trainers
Der Trainer nutzt den Sidecut nicht als Ersatz für Technik, sondern als Eigenschaft der Ausrüstung, die das Kind Schritt für Schritt lernt zu nutzen. Ziel ist nicht, dass der Skifahrer passiv einem einzigen Ski-Radius folgt. Er soll die Form des Schwungs je nach Gelände, Geschwindigkeit und Aufgabe anpassen und den Unterschied zwischen Kantenführung und kontrolliertem Rutschen erkennen. Bei der Bewertung muss unterschieden werden zwischen dem, was die Geometrie des Skis ermöglicht, und dem, was der Skifahrer aktiv erzeugt.
Quellen und weiterführende Lektüre
- FIS – Event Marketing: Specifications for Alpine Competition Equipment 2026/27
- FIS – Alpine Skiing Documents: aktuelle Regeln und Dokumente
- FIS – Specifications for Alpine Competition Equipment 2025/26, Revision 14. Juli 2025
- FIS – Specifications for Alpine Competition Equipment 2025/26: Definition und Berechnung des Sidecut-Radius
- FIS – Specifications for Alpine Competition Equipment 2025/26: Maß- und Radius-Tabellen
- U.S. Ski & Snowboard – Alpine Training Systems