Was ist die Skispitze
Skispitze (engl. ski tail oder tail) ist der äußerste hintere Punkt bzw. Rand des Skis. Die Norm ISO 6289 unterscheidet dabei genau zwischen der eigentlichen Spitze, dem angehobenen Teil hinter der hinteren Kontaktlinie und der hinteren Hälfte des Skikörpers. In der üblichen Skisprache bezeichnet das Wort Spitze jedoch oft den gesamten hinteren Teil des Skis hinter dem Bindungsbereich.
Die Skispitze darf nicht mit dem Fersenhebel der Bindung, also dem hinteren Teil der Sicherheitsbindung, verwechselt werden, der die Ferse des Skischuhs hält.
Form und Funktion der Spitze
Bei Angaben zu den Abmessungen des Skis ist die Breite der Spitze in der Regel die dritte Zahl in der Reihenfolge Schaufel – Mitte – Spitze. Zusammen mit der Breite der Schaufel, der Breite der Mitte und der Skilänge trägt sie zum Sidecut bei. Das resultierende Verhalten lässt sich jedoch nicht nur anhand eines einzigen Maßes bestimmen: Wichtig sind auch die Längs- und Torsionssteifigkeit, das Flexprofil, die Aufbiegung der Spitze und die Konstruktion des gesamten Skis.
Allgemein gilt, dass ein breiterer und weniger verjüngter hinterer Teil die Führung des Skis auf der Kante länger unterstützen kann, während sich eine schmalere oder stärker verjüngte Spitze leichter aus der Kurve lösen kann. Das ist eine konstruktive Tendenz, keine Regel, die für jeden Ski gilt. Hersteller verwenden Spitzen von fast flachen Formen bis hin zu deutlich angehobenen Konstruktionen; die Aufbiegung kann das Lösen des Skis besonders im weichen Schnee erleichtern.
Die Spitze bei der Kurvenführung
Der Druck kann sich während der Kurve auch in Längsrichtung des Skis verändern. Eine Verlagerung des Körperschwerpunkts nach vorne erhöht die Belastung des vorderen Teils, der hilft, die Spur für den restlichen Ski zu schaffen. Eine Verlagerung nach hinten erhöht den Druck im Bereich der Spitze. Effektives Skifahren beruht daher nicht auf einer immer gleichen Belastung einer Stelle, sondern auf der laufenden Steuerung des Drucks je nach Kurvenphase, Geschwindigkeit, Hangneigung und Schneeverhältnissen.
Am Ende einer gefahrenen Kurve hilft die Spitze, den Halt und die Richtung des Skis zu bewahren. Das bedeutet jedoch nicht, dass sich der Skifahrer bewusst und dauerhaft nach hinten „hängen“ soll. Bei richtiger Bewegung bleibt er ausgewogen über den Skiern und der Druck verändert sich fließend.

Kinder und typische Fehler
Das häufigste Missverständnis ist die Anweisung „drück in die Fersen“ ohne Erklärung. Ein Kind kann sie als Rücklage, Vorschieben der Ski vor den Körper oder Abstützen auf den hinteren Teil der Skischuhe verstehen. Dadurch belastet es die Spitzen der Ski zu wenig und entlastet gleichzeitig die Schaufeln, die dann einen neuen Bogen schwerer einleiten und führen.
Bei Anfängern ist es sinnvoller, eine ausbalancierte Haltung, bewegliche Sprunggelenke und das Gleichgewicht über den Skiern zu entwickeln. Gezielte Arbeit mit der Längsverteilung des Drucks baut der Trainer schrittweise ein, je nach Alter, motorischem Niveau und Beherrschung des Grundschwungs. Es geht nicht um ein eigenständiges „Fersen drücken“, sondern um einen Teil der koordinierten Bewegung des ganzen Körpers.
Der Trainer achtet vor allem darauf, ob das Kind:
- nicht in Rücklage in den Schwung geht,
- die Ski nicht weit vor den Körper schiebt,
- nach dem Ende des Schwungs die alten Kanten lösen kann,
- einen Bewegungsumfang nutzt, der zur Geschwindigkeit und zum Gelände passt.
Rennkontext
Bei Rennski ist die hintere Geometrie Teil der Gesamtlänge, der Profilbreiten und der Berechnung des Sidecut-Radius. Die FIS legt die Anforderungen nach Disziplin, Geschlecht und Altersklasse fest; bei Jugendlichen wird die Ausrüstung daher nach den aktuellen Regeln der jeweiligen Saison ausgewählt und nicht allein nach der Form des Skiendes. Für die Saison 2026/27 sind die aktuellen FIS-Dokumente und die Regeln des nationalen Verbands maßgeblich.
Aus Trainersicht ist es wichtig zu unterscheiden zwischen aktivem Abschließen des Schwungs und passiver Rücklage auf den Fersen. Ersteres entsteht durch das kontrollierte Belasten des gebogenen Skis und das anschließende Lösen der Kanten; Letzteres verringert die Bereitschaft für den nächsten Schwung.
Quellen und weiterführende Lektüre
- ISO 6289:2025 — Skis — Vocabulary, Terminologie-Überblick
- ASTM F472-11(2017) — Standard Terminology for Geometry of Alpine Skis
- FIS — Alpine Skiing Documents and current rules
- FIS — Specifications for Alpine Competition Equipment 2026/27, Dokumentenliste
- FIS — Ski Radius Calculator: About
- U.S. Ski & Snowboard — Level 100 Alpine Manual
- Völkl — How to Choose Skis
- Office québécois de la langue française — terminologické heslo ski tail
- Majesty Skis — Skiing Re//Defined, terminológia konštrukcie lyží